Selbstverständnis der Gruppe Internationaler SozialistInnen

Politisches Selbstverständnis der Gruppe Internationaler SozialistInnen

„Die bürgerliche Gesellschaft steht vor einem Dilemma: Entweder Übergang zum Sozialismus oder Rückfall in die Barbarei! Wir stehen vor der Wahl: entweder Triumph des Imperialismus und Untergang jeglicher Kultur wie im alten Rom, Entvölkerung, Verödung, Degeneration, ein großer Friedhof. Oder Sieg des Sozialismus, das heißt der bewussten Kampfaktion des internationalen Proletariats gegen den Imperialismus und seine Methode: den Krieg. Dies ist das Dilemma der Weltgeschichte, ein Entweder-Oder, dessen Waagschalen zitternd schwanken vor dem Entschluss des klassenbewussten Proletariats.“

Rosa Luxemburg 1915

An der Schwelle des 21. Jahrhunderts haben diese Worte Rosa Luxemburgs nicht an Aktualität verloren. Nach wie vor ist der Kapitalismus unfähig der übergroßen Mehrheit der Menschheit ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Während Banken und Konzerne Rekordgewinne einfahren, werden immer mehr Leute auf die Straße gesetzt und die Angriffe auf die Lohnabhängigen zum Wohle des nationalen Wirtschaftstandortes forciert. Während Wissenschaft und Technik sich stetig entwickeln, sterben tagtäglich Tausende an Hunger und leicht heilbaren Krankheiten, werden die ökologischen Ressourcen dieses Planeten immer weiter vernichtet, werden die Ausgebeuteten und Unterdrückten mit dem Gift des Nationalismus in immer wahnwitzigere Kriege gehetzt, in denen sie nichts zu gewinnen aber alles zu verlieren haben. Während uns die Apologeten dieses Systems das hohe Lied der Rechtstaatlichkeit und Demokratie vorkrächzen, wird der Überwachungsstaat immer weiter perfektioniert, das rassistische Projekt der Festung Europa vorangetrieben. Menschen, die vor Hunger und Krieg fliehen werden abgeschoben, rassistische Ideen und faschistische Parteien gewinnen an Akzeptanz. Angesichts des alltäglichen Wahnsinns des Kapitalismus ist die Entwicklung von Widerstand und „rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, dass diese Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebenso wenig vor den vorhandenen Mächten“ (Karl Marx) heute notwendiger denn je.

Zugegeben, die Bilanz des letzten Jahrhunderts ist für denjenigen Teil der Linken der grundlegende gesellschaftliche Veränderungen anstrebte, nicht gerade positiv. Seit dem Erscheinen des Kommunistischen Manifestes hat die revolutionäre Linke wenig Erfolge aber viele Niederlagen zu verzeichnen und ist heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. An der stalinistischen Degeneration der Oktoberrevolution, der Niederlage der revolutionären Bewegung der 20er Jahre und der fast vollständigen Vernichtung einer ganzen Generation revolutionärer KommunistInnen durch den Stalinismus krankt sie noch heute.

Gleichzeitig ist es dem Stalinismus und der Sozialdemokratie im letzten Jahrhundert vortrefflich gelungen die Idee des Sozialismus als emanzipatorische Alternative zum Kapitalismus westlicher wie östlicher Prägung grundlegend zu diskreditieren. Um diese Bilanz in der Zukunft umzudrehen gilt es, anknüpfend an den Erfahrungen und theoretischen Errungenschaften des Bundes der Kommunisten, der Ersten, Zweiten und Dritten Internationale und den antistalinistischen revolutionären Strömungen der 20er und 30er Jahre die Ideen des revolutionären Marxismus in den sozialen Bewegungen und Kämpfen wiederzubeleben. Die Gruppe Internationaler SozialistInnen will hierzu einen Beitrag leisten.

Programmatischer Ausgangspunkt unserer Aktivität ist die Feststellung dass,

- „auf dem Boden der kapitalistischen Gesellschaft für die Beseitigung der kapitalistischen

Anarchie kein Kräutlein gewachsen ist“ (Rosa Luxemburg), der Kapitalismus folglich weder abgewählt

noch menschenwürdig verwaltet werden kann;

- der Kapitalismus als weltumfassendes System nur international bekämpft und überwunden werden kann;

- es im Zeitalter des imperialistischen Krieges keine richtige Seite geben kann und es weder Vaterländer

noch Staaten sondern einzig die Klasseninteressen des internationalen Proletariats zu verteidigen gilt;

- jedes Zugeständnis an den Nationalismus zum Schulterschluss mit der eigenen Herrschenden Klasse

führt und konsequenter Internationalismus kein moralisches Gebot sondern eine grundlegende

Ausgangsbedingung emanzipatorischer Politik ist;

- Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie der Spaltung der Lohnabhängigen dienen und

von revolutionären MarxistInnen entschieden zurückgewiesen und bekämpft werden müssen;

- der Aufbau einer integrierten revolutionären Bewegung eine bewusste Minderheitenpolitik mit den

unterdrücktesten Sektoren der Klasse voraussetzt;

- die sog. „realsozialistischen Länder in keinster Weise „antikapitalistisch“, „progressiv“ oder „fortschrittlich“

waren, sondern besonders brutale Formen des Staatskapitalismus darstellten;

- der Sozialismus in seinem Ziel und auf seinem ganzen Wege ein Kampf für die Verwirklichung der

Freiheit ist und von daher die bewusste Überwindung aller Fetische der bürgerlichen Gesellschaft

namentlich des Staates, der Familie, der Ware, des Geldes, des Marktes, des Tausches und der

Lohnarbeit im Weltmaßstab voraussetzt;

- die Befreiung der Arbeiterklasse nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein kann und eine

herrschaftsfreie Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückte niemals durch auch noch so

wohlmeinende Minoritäten und Eliten, sondern nur durch die Selbstorganisierung und Selbstemanzipation

der Ausgebeuteten und Unterdrückten erreicht werden kann.

- sich revolutionäre Politik daran messen lassen muss, jeden noch so kleinen Schritt in diese Richtung zu

unterstützen.

Gruppe Internationaler SozialistInnen