1921: Beginn der Konterrevolution

„Heute sind wir Zeugen der Tragödie einer sozialen Revolution, die aufgrund der Passivität der europäischen Völker in nationalen Grenzen gehalten wird und von intelligenten und gut bewaffneten reaktionären Kräften bedroht wird. Sie ist daher erstickt und darauf reduziert gegen einen inneren und äußeren Feind auf Zeit zu spielen. Wir haben gesehen, wie viele Fehler gemacht wurden, viele Irrtümer sind offenbar geworden und vom libertären Standpunkt haben sich viele kostbare Wahrheiten bestätigt.“ (1)
Dies schrieb Victor Serge im Juni 1921 im Vorwort seines Essays „Die Anarchisten und die Erfahrungen der Russischen Revolution“. Dieses Essay war ein Appell an die Anarchisten, die proletarischen und positiven Aspekte der Oktoberrevolution zu berücksichtigen. Obwohl es vor dem Aufstand von Kronstadt im März 1921 gegen die Bolschewiki geschrieben wurde, erwähnte Serge diese Tragödie in seiner wenige Monate danach geschriebenen Einleitung nicht. Stattdessen hob er hervor, dass seine Schlussfolgerungen „heute noch richtiger als vor einem Jahr“ waren. Was dieses Zitat hervorhebt ist, dass die Isolation „der sozialen Revolution“ auf ein Territorium nun zu einer unerträglichen Last geworden war. Nicht nur Kronstadt warf „einen Lichtblick auf die Realität“ wie Lenin sagte, auch die Ereignisse des Zehnten Parteikongresses (Annahme der NEP, Fraktionsverbot), die Niederlage der Märzaktion in Deutschland und die Annahme der Einheitsfrontpolitik auf dem Dritten Kongress der Komintern, machte 1921 zu einem bedeutenden Jahr im Zuge der Degeneration sowohl der russischen wie der internationalen Revolution. Dieser Artikel setzt sich zum Ziel die Bedeutung dieses Niedergangs vor 80 Jahren aufzuzeigen.
Vor 130 Jahren gab die Pariser Kommune eine Vorahnung von dem, was die Arbeiterklasse erreichen und wie sie die Gesellschaft selber in die Hände nehmen kann. Die Kommune wurde jedoch nach 74 Tagen von der bürgerlichen Regierung Thiers mit Unterstützung der internationalen Macht der kapitalistischen Klasse unterdrückt. Begrenzt auf eine einzige Stadt wurde sie isoliert und niedergeschlagen. 20 000 Pariser Arbeiter wurden kaltblütig innerhalb einer Woche im Mai 1871 ermordet. Als Antwort erschossen die Kommunarden ihre bürgerlichen Geiseln. Die Zahl der Opfer der herrschenden Klasse durch die Kommune betrug 84 Tote. Es ist immer so, dass der weiße Terror der herrschenden Klasse den roten Terror der Arbeiterklasse in Zahlen und Schrecken übersteigt. Wie Marx feststellte, war das Problem der Kommune ihre Isolierung auf eine einzelne Stadt. Das Problem des Russischen Proletariats bestand darin, dass seine Revolution auf ein einzelnes Land begrenzt blieb.
Die Russische Revolution vom Oktober 1917 bleibt die einzige Begebenheit in der Geschichte wo ein Kontingent von Arbeitern die kapitalistische Staatsmacht in einem ganzen Territorium stürzte. Aus diesem Grund fahren wir damit fort, sie zu untersuchen und zu versuchen sie zu verstehen. Die fundamentale Frage ist, wie es zu erklären ist, dass eine Revolution, die damit begann, die Arbeiterklasse und damit die Menschheit zu befreien, 1928 zu einer der größten Tyranneien des 20. Jahrhunderts verkommen konnte. Wenn wir im Nachhinein auf die Ereignisse vor 80 Jahren zurückblicken, können wir verstehen warum 1921 ein entscheidender Wendepunkt auf dem Weg zur Niederlage der Revolution war. Zur damaligen Zeit erschien das vielen Beteiligten nicht so. Dass 1921 ein Jahr der Krise war, konnten sie deutlich sehen. Über eine Million Tote durch Hunger und weitaus mehr durch Typhus und andere Krankheiten, der Ausbruch von Streiks gegen den „Rat der Volkkommissare“ und die Kronstädter Revolte brachte den Ernst der Lage auf den Punkt. Und zu alledem scheiterte die internationale Revolution nicht nur darin voranzukommen, sie erlitt einen Hammerschlag mit der Niederlage der Märzaktion in Deutschland.
Unsere Aufgabe ist es nicht einfach aufzuzählen, was passiert ist, sondern zu erklären, was das für uns heute bedeutet. Uns ist klar, dass es keine Revolution nach dem russischen Beispiel geben wird. Ebenso wenig geht es und um eine „Herablassung aus der Gegenwart“ wie es E.P. Thompson nennt. Jene Revolutionäre, die einfach nur versuchen sklavisch zu kopieren, was in Russland passierte, verdienen nur Spott. (So wie jene Trotzkisten, die die Frage der Führung lediglich als Frage der richtigen Individuen in strategischen Positionen sehen.) Wir müssen vermeiden in die Falle so vieler sog. Marxisten und Revolutionäre zu tappen, die in der Vergangenheit nur eine Blaupause für die Zukunft sehen. Dennoch, nur durch das Lernen aus dem was wirklich passierte können wir uns für die Kämpfe die vor uns liegen bewaffnen. Und der erste Schritt in diesem Lernprozess ist, über die Bedeutung des Vergangenen zu diskutieren.

1918 – 1921

Einige „libertäre Marxisten“ (2) und Anarchisten werden aufschreien, dass die Revolution lange vor 1921 verloren war. Wir bestreiten nicht, dass die Rätemacht im Territorium der Russischen Sozialistischen Vereinigten Sowjetrepubliken (der Name UdSSR wurde nicht vor 1923 angenommen) Ende 1920 nur noch eine leere Hülle war. (Obwohl es noch 1919 reichhaltige Bestandteile gab) (3). Ebenso wenig leugnen wir nicht die Exzesse der Tscheka, die sich während des Bürgerkrieges zu einem Staat im Staate verwandelte.
Aber der Rote Terror entstand aus dem Bürgerkrieg. Im November ließen die Bolschewiki ehemalige zaristische Generäle frei, wenn sie versprachen nicht die Waffen gegen sie zu erheben. Wenige Monate später führten dieselben Generäle bewaffnet durch den französischen und englischen Imperialismus nicht nur Invasionen Russlands an, sondern kreuzigten buchstäblich jeden Arbeiter, den sie der Sympathie mit den Bolschewiki verdächtigten. Auch wenn in diesem Klassenkrieg beide Seiten Terror anwandten, fand dieser nicht auf derselben Ebene statt. Wir können uns hier auf den US-Kommandeur in Sibirien, General William S. Grave, beziehen, der aussagte: “Ich bin sehr wohl an der Wahrheit wenn ich sage, dass die Anti-Bolschewiken auf jeden, der von den Bolschewiki getötet wurde, 100 Bewohner Ostsibiriens töteten.“ (4)
Ebenso wenig behaupten wir, dass die Revolution die kapitalistische Produktionsweise aufgehoben hätte, mal ganz davon abgesehen, dass es zu einem totalen ökonomischen Zusammenbruch gekommen war, als die Bolschewiki die Macht ergriffen hatten. Da fast 60 % der Industrie für die Kriegsproduktion aufgeboten worden war, bedeutete der Frieden Arbeitslosigkeit:“ In den Nachwirkungen des Oktober erlitt das Land einen ökonomischen Zusammenbruch auf dem Niveau eines modernen Schwarzen Todes. Die Hauptstadt verlor nicht weniger als eine Million Einwohner in den ersten sechs Monaten nach dem Oktober, da die Arbeiter auf der Suche nach Brot aus der Stadt strömten.“(5)

Selbst jene Arbeiter, die noch Jobs hatten mussten ihre Zeit für die Suche nach Nahrungsmitteln aufwenden und die Demoralisierung drückte sich im massenhaften Fernbleiben vom Arbeitsplatz aus. Versuche der Bolschewiki, in den Fabrikkomitees die Arbeitsdisziplin zu verschärfen, führten zur Wahl neuer Delegierter, die den Forderungen der Arbeiter gefälliger waren. Zuweilen begannen aber selbst diese Fabrikkomitees sich mit der Arbeitsdisziplin und der Produktionsleistung abzufinden. In der anarchistischen/libertären Dämonisierung geschah dies freilich, weil die Bolschewiki die Arbeiterinitiative in den Fabrikkomitees unterdrückten. Aber das ist zu einfach wie S. Smith in seinem Buch „Red Petrograd“ ausführt: „ … kann man darin keinen Sieg der Bolschewistischen Partei über die Fabrikkomitees sehen. Anfangs sahen sich diese Komitees sowohl der Aufrechterhaltung der Produktion als auch der Demokratisierung des Fabriklebens verpflichtet aber die Bedingungen der Industrie gestalteten sich so, dass diese beiden Zielsetzungen in Widerspruch zueinander traten.“
Auch der Bürgerkrieg nahm die Revolution weiter in Beschlag. 1917 war die Bolschewistische Partei eine Partei, die überwiegend aus Arbeitern bestand. 1920 waren diese Arbeiter Führungskader in der Roten Armee, der Tscheka und der Bürokratie geworden. 1922 waren über ein Drittel der Parteimitglieder in irgendeiner Weise Funktionäre. Zur gleichen Zeit schloss der Kampf gegen die imperialistische Invasion und die Weißen die Reihen zusammen. Die innerparteilichen Diskussionen brachen zusammen und zunehmend wurde die Besetzung der lokalen Posten durch die lokalen Parteisekretäre bestimmt, die irgendjemanden einfach in höhere Positionen einsetzten. Die Praxis des demokratischen Zentralismus innerhalb der Partei (wo die unteren Gliederungen die höheren wählten) war zunehmend zusammengebrochen. Was übrig blieb war nur noch Zentralismus. Es brauchte nur noch einen Stalin, der an Stelle der lokalen Parteisekretäre alle Ebenen der Macht in seine Hand nahm. Aber dies passierte erst später. Victor Serge, der im Januar 1919 aus Frankreich abgeschoben worden war, berichtete folgendes über seine Ankunft in Petrograd: „Wir traten in eine tödliche kalte Welt ein (…) In einer Aufnahmestelle erhielten wir winzige Rationen Schwarzbrot und Trockenfisch. Keiner von uns hatte jemals eine so fürchterliche Nahrung gekannt. Junge Frauen mit roten Stirnbinden und junge Agitatoren mit Brillen fassten die Lage für uns zusammen: Hungersnot, Fleckfieber, Konterrevolution überall. Aber die Weltrevolution wird uns retten.“ (6) Und es war diese Hoffnung auf die Weltrevolution, die im Herzen der russischen Arbeiterklasse lag, die so hart gelitten hatte und weiter litt. Serge wurde von seinen jungen Gastgebern gefragt „worauf das französische Proletariat warte“ aber die größte Hoffnung der meisten Bolschewiki lag beim deutschen Proletariat.

Die Dritte (Kommunistische) Internationale

Das gesamte bolschewistische Programm kann ohne Bezug auf seinen internationalen Charakter nicht verstanden werden. Im Beharren auf konsequentester Opposition gegen den imperialistischen Krieg von 1914 bewährte sich die bolschewistische Partei als einzige bedeutende europäische Partei, die dem Krieg mit revolutionären Forderungen begegnete. Es waren die Bolschewiki, die die Spaltung von der zentristischen und pazifistischen sozialistischen Mehrheit auf den Konferenzen von Zimmerwald und Kienthal anführten.(7) Und als die Bolschewiki in Russland zur Macht kamen, teilten sie mit Rosa Luxemburg die Ansicht, „dass die Frage des Sozialismus in Russland gestellt wurde. Sie kann nicht in Russland gelöst werden.“
Auf dem Dritten Kongress der Sowjets im Januar 1918 sagte Lenin: „Natürlich, der endgültige Sieg des Sozialismus in einem Land ist natürlich unmöglich. Unsere Arbeiter und Bauern, die die Sowjetmacht unterstützen, sind ein Teil einer internationalen Armee.“ (8) Und im März zur Zeit des Vertrag von Brest- Litowsk wiederholte er sich: „… es ist eine absolute Wahrheit, dass wir ohne die deutsche Revolution verloren sind.“ (9)
In seinen Aprilthesen hat Lenin die Notwendigkeit einer neuen Internationale hervorgehoben, um die Zweite Internationale, die im August 1914 zum Imperialismus übergegangen war zu ersetzen. Der Krieg selbst bereitete die materielle Basis für diese Internationale, indem Arbeiter und ehemalige Sozialdemokraten den Widerstand gegen ihre „eigenen“ Regierungen aufnahmen. Das Ende des Ersten Weltkrieges wurde durch die Streiks in Wien, Hamburg, Bremen und ganz Deutschland beschleunigt. Als die Nachricht vom Wiener Aufstand Moskau erreichte sagte Radek, einer der Führer der Bolschewiki, auf einer spontanen Demonstration vor dem Kreml: “Ich habe so etwas noch niemals gesehen. Arbeiter, sowohl Männer wie Frauen und Soldaten der Roten Armee haben gestern Abend die Vergangenheit hinter sich gelassen. Die Weltrevolution ist da! Die Massen werden durch diesen eisernen Schritt aufhorchen. Unsere Isolation ist zu Ende.“(10)
Dies war ein wenig verfrüht. Auch wenn viele Arbeiter und ehemalige Soldaten in ganz Europa die Sowjetidee leidenschaftlich unterstützen, hatte dies noch nicht die Form neuer Kommunistischer Parteien in den meisten Ländern angenommen. Selbst in Orten wie Deutschland hatten es die Revolutionäre nicht geschafft sich klar von den sozialchauvinistischen Sozialisten abzuheben. Obwohl Luxemburg und Liebknecht den Spartakusbund ins Leben gerufen hatten, bleiben sie weiter in der USPD (der auch Kautsky und Bernstein angehörten), weil sie die Isolation von der Masse der Klasse fürchteten. Dies verwirrte nur die Arbeiter und isolierte die Spartakisten von kleineren aber politisch klareren Gruppen wie der Bremer Linken und den Internationalen Sozialisten (später IKD). Dass die Sozialdemokraten die Räte nicht offen bekämpften, sondern hinter den Kulissen agierten um sie zu zerstören, hatte zur Folge, dass die Spartakisten nicht als die einzigen Unterstützer der Arbeiterräte gesehen wurden (wie dies bei den Bolschewiki in Russland der Fall gewesen war). Wie bereits im eingangs angeführten Zitat von Victor Serge ausgeführt wurde, bestand die raffinierte Strategie der westeuropäischen Bourgeoisien darin die sog. „Sozialisten“ zu ihrer Verteidigung einzuspannen, um die Ausbreitung der Revolution in Deutschland und darüber hinaus zu verhindern.
Die Nachricht, dass sich die Zweite Internationale im Januar 1919 restrukturierte, zwang die Bolschewiki dazu Emissäre für eine neue Internationale auszuschicken, deren erstes Treffen in Berlin stattfinden sollte. Bevor dieses Treffen stattfinden konnte, hatte Liebknecht überstürzt den Spartakusaufstand vom Zaum gebrochen, der von den Sozialdemokraten im Bündnis mit protofaschistischen Freikorps niedergeschlagen wurde. Im Zuge der einsetzenden Repression wurden Hunderte von Arbeitern kaltblütig erschossen und Liebknecht und Luxemburg brutal ermordet. Das geplante erste Treffen der neuen Internationale musste nach Moskau verlegt werden. Diese Verlegung wurde als vorläufige Maßnahme verstanden, bis die Revolution im Westen ausbrach. Dennoch war dies ein erster Schritt im Prozess der Verflechtung des Schicksals der russischen Revolution mit der Internationale. Und weil es die russische Partei war, die die Internationale ideologisch und personell dominierte, wurde diese sehr schnell zu einem Organ der Verteidigung der Rätemacht in Russland unabhängig mit welchen Problemen sie auch konfrontiert war. Der erste Kongress der Kommunistischen Internationale tat wenig mehr, als ihre Existenz zu deklarieren. Die fünfzig Delegierten, die sich im Moskau trafen, waren nicht alle formal delegiert, ein Faktor der die Dominanz der Bolschewiki in der neuen Organisation nur noch verstärkte. Lenin lag falsch als er in der Zeitschrift die „Kommunistischen Internationale“ verkündete, dass „ die neue, die dritte „Internationale Arbeiterassoziation“ schon jetzt in gewissen Maße mit der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zusammenfällt.“ (11)
Damit meinte er, dass der Prozess der Entfaltung der Weltrevolution durch den Fortschritt des Sozialismus in Russland zusammenfallen würde. Zum Unglück des Proletariats verlief dieser Prozess jedoch in entgegen gesetzter Richtung. Die wachsende Konterrevolution in Russland zerstörte auch das revolutionäre Ziel der Dritten Internationale.
Dies konnte 1919 jedoch noch nicht vorausgesehen werden, als die Weltrevolution und die kapitalistische Konterrevolution in tödlicher Umarmung lagen und die (wenn auch schwache) Existenz der Dritten Internationale ein Bezugspunkt war an dem sich Arbeiter überall orientieren konnten. Im Frühjahr brachen Revolutionen in Bayern und Ungarn aus, wo Sowjetrepubliken ausgerufen wurden. Die Alliierten Mächte (England, Frankreich und die USA) wurden mit Meutereien in ihren Armeen in Russland konfrontiert. Der britische Premierminister Lloyd George erklärte dass die britische Intervention noch nicht beendet sei, aber die Revolten in Clyde und Südwales alarmierten den britischen Staat, dass „ein Militäreinsatz gegen die Bolschewiki England bolschewistisch machen und zu Räten in London führen würde.“ (12)
Lenin sprach im Juli 1919 von „unserem letzten schweren Juli“. Innerhalb eines Jahres würde die „internationale Sowjetrepublik“ siegen. Allerdings hielt die heftige Atmosphäre die dem Kapitalismus so zusetzte nicht an. Ende Mai war die Bayrische Räterepublik, die selbst in Deutschland isoliert war, zusammengebrochen. Es folgte im August die Ungarische Räterepublik die internen Streitigkeiten und der Invasion der von den Alliierten unterstützen rumänischen Armee unterlag. Im Herbst wurden die Weißen in Russland zu einer großen Bedrohung. Judentisch stand vor den Toren Petrograds, Koltschak nährte sich aus Sibirien und Denikin aus der Ukraine. Im Oktober und November „hing der Fortbestand des Regimes an einem seidenen Faden“ (13)

Zu dieser Misere kam noch, dass die junge deutsche Kommunistische Partei, die ihre besten Führer in den Schlächtereien zwischen Januar und März 1919 verloren hatte, von Paul Levi auf ihrem Heidelberger Kongress im Oktober 1919 gespalten wurde. Die Partei hatte mit knapper Mehrheit die Taktik angenommen die existierenden Parlamente und Gewerkschaften zu nutzen, um ihren Einfluss zu steigern. Levi begnügte sich nicht mit seinem Sieg und forderte (gegen den Rat der Bolschewiki) den Ausschluss aller derjenigen, die gegen die Mehrheit gestimmt hatten. Der linke Flügel der die Hälfte der Mitgliedschaft ausmachte und die norddeutschen Bezirke kontrollierte (darunter Berlin) schied aus und gründete die Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands. Ähnliche Probleme tauchten in unterschiedlicher Form in anderen Ländern auf. Lenin versuchte all jene für die Dritte Internationale zu gewinnen, die den sozialdemokratischen Reformismus ablehnten, darunter auch die Anarchosyndikalisten. Zur gleichen Zeit erklärte er den englischen Gruppen, die über die Gründung einer neuen Partei berieten, dass er selbst parlamentarische und gewerkschaftliche Taktiken unterstütze, aber niemanden verurteile, der für andere Taktiken eintrete.
Ende 1922 war der Bürgerkrieg in Russland gewonnen, aber Russland noch immer isoliert und der Preis für den Sieg war, wie wir am Anfang des Artikels gesehen haben, ein Phyrrussieg. Die Industrieproduktion betrug nur noch ein Fünftel von 1913 und die Agrarproduktion war um die Hälfte zurückgegangen. Der bolschewistische Ökonom L. Kristman beschrieb den ökonomischen Zusammenbruch als „beispiellos in der Geschichte der Menschheit“. (14) Die Politik während des Bürgerkrieges Militäreinheiten aufs Land zu schicken, um Getreide zu requirieren hatte zu 113 Bauernrevolten geführt. (50 000 Bauern unterstützten allein in der Region Tambow den ehemaligen Sozialrevolutionäre Antonov) Den Bolschewiki war es geglückt die Staatsmacht zu behalten, aber wie Bucharin (und andere führende Bolschewiki, darunter Lenin) später feststellten, hatten sie die Staatsmacht behalten aber in diesem Prozess das Proletariat verloren. Für Lenin war dieses materielle Faktum der entscheidende Grund für den Aufstand in Kronstadt im März 1921.

Die Streiks in Petrograd und Kronstadt

Es gibt keinen emotionaleren Begriff in der Geschichte der russischen Revolution als Kronstadt. Es ist der Lackmustest für jedermanns Verständnis über den Weg auf dem die Revolution in die Niederlage schlitterte. Für die meisten Trotzkisten und Stalinisten was es entweder eine Verschwörung der weißen Reaktion, die die furchtbaren Bedingungen gegen Ende des Bürgerkrieges ausnutzten, um eine Revolte gegen das Proletariat anzuzetteln, oder (in der Version der Socialist Workers Party, in der BRD Linksruck) eine Revolte des Kleinbürgertums weil die Kronstädter Matrosen alle Bauern gewesen wären. (15) Für die Anarchisten war es die wirkliche „dritte Revolution“ gegen die bolschewistische Diktatur und für die Historiker der kapitalistischen Klasse eine erbauliche Episode die zeigt, dass jede Alternative zu ihrem System im Blutbad endet. E.H. Carr widmet dem Kronstädter Aufstand nur eine Zeile im ersten Band seines Buches „Die Bolschewistische Revolution“. Das beweist nur, dass seine Geschichte eine Geschichte des Sowjetstaates ist, und nicht des revolutionären Proletariats. Revolutionäre können diesem Thema heute nicht einfach ausweichen, solange es der Rahmen ist indem wir die Fragen, die durch die vergangenen revolutionären Erfahrungen gestellt werden, beantworten.
1921 war die Rätemacht zu einer leeren Hülle geworden. Wahlen zu den Sowjets fanden unter dem wachsamen Auge der Tscheka statt. Ebenso marschierten bewaffnete Truppen vor den Fabriken auf, als der Taylorismus und das Ein-Mann-Management der revolutionärsten Arbeiterklasse in der Geschichte aufgebürdet wurden. Die Arbeiter akzeptierten dies solange wie der Bürgerkrieg gegen die Weißen eine Ausnahmesituation schuf. Ebenso hatten sie die Abschaffung der Wahl von Offizieren in den Streitkräften akzeptiert, als Trotzki ehemalige Mitglieder des alten Offizierkorps holte, um die Weißen zu schlagen. Als der letzte weiße General im Dezember 1920 aus Russland verjagt wurde, gab es viele Anzeichen, dass das Ausnahmeregime fortdauern würde. Getreiderequirierungen hielten an, Trotzki hatte sogar angekündigt, dass die Methoden der Roten Armee auf die Arbeitswelt angewendet werden sollten ( die Debatte über die Militarisierung der Arbeit), und es gab keine neuen Wahlen zu den Sowjets. Überall war die Rede von „eiserner Disziplin“ und mehr Diktatur. Kein Wunder, dass die Partei zunehmend zu einer Partei der Funktionäre statt der Arbeiter, ein Opfer der Bürokratisierung wurde. Diese Bürokratisierung führte zum Entstehen einer Opposition von proletarischen Gruppen in der Bolschewistischen Partei. Gruppen wie die von Ossinsky und Sapranow geführten Demokratischen Zentralisten, der Arbeiteropposition um Schliapnikow und Kollontai, oder Miasnikows Arbeitergruppe. Diese Oppositionen wollten, bei all ihren Schwächen und Irrtümern, eine Rückkehr zu den revolutionären Prinzipien von 1917.
Kein Wunder das Lenin im Februar 1921 sagen konnte: „Wir müssen den Mut haben der harten Realität ins Gesicht zu sehen. Die Partei ist krank, sie ist vom Fieber befallen. Und solange sie es nicht schafft, sich schnell und radikal von der eigenen Krankheit zu kurieren, wird ein Bruch erfolgen der fatale Konsequenzen für die Revolution haben wird.“16
Doch bevor die Parteidebatten auf dem 10 Kongress der Russischen Kommunistischen Partei beginnen konnten, traten die Arbeiter in Petrograd und Moskau im März in den Streik. In Petrograd hatten die Streiks Massencharakter. Es wurde Pressefreiheit, die Freilassung der politischen Gefangenen und die Rückkehr zur Demokratie im Staate gefordert. Zuweilen wurde die Öffnung der lokalen Lebensmittelmärkte gefordert, um den zunehmenden Kürzungen zu begegnen (die sich wahrscheinlich 1921 in Hungersnöten niedergeschlagen hätten).
Konterrevolutionäre nutzten die Situation aus und stellten die Forderung nach einer Einberufung der konstitutionellen Versammlung auf. Die Bolschewiki reagierten in Panik. Truppen wurden ausgeschickt, um Streikversammlungen auseinanderzujagen und die Führer verhaftet. Die Tscheka setzte das Gerücht in Umlauf, dass die Bewegung von bäuerlichen Elementen dominiert werde (obwohl nur der harte Kern des Proletariats zu dieser Zeit in Petrograd geblieben war)
Der ausschlaggebende Faktor für die Beendigung der Streiks war die Ankunft neuer Brotlieferungen, da die Ankündigung der Kürzung von Brotrationen die Streiks in erster Linie ausgelöst hatten.
Der Kronstädter Aufstand die in der Marinebasis ausbrach war eine direkte Antwort auf die Streiks in Petrograd und der einsetzenden Repression. Am 28. Februar berichteten Delegierte aus Petrograd über die Situation und ein Forderungskatalog der Matrosen des Kriegsschiffes Petropavlosk wurde angenommen. Er forderte Neuwahlen für die Sowjets und Freiheit für alle Sozialisten und Anarchisten. Es ist bemerkenswert, dass das Programm nicht für die Freiheit der Bourgeoisie eintrat und die Matrosen mit überwältigender Mehrheit die Forderung nach Einberufung der konstitutionellen Versammlung ablehnten. Ökonomisch forderte das Programm fairere Rationierungen, begrenzte Handwerksproduktion und die Freiheit der Bauern zu produzieren, solange sie keine Lohnarbeiter einsetzen. Es war faktisch viel weniger kapitalistisch als die Neue Ökonomische Politik die Lenin schon vor der Revolte vorbereitete. Kalinin, der spätere Präsident der UdSSR wurde nach Kronstadt geschickt, wo er die Matrosen (die noch nicht in offener Revolte waren) einfach beschimpfte. Die Antwort war die Herausgabe der Kronstädter Iswestia die erklärte:“ Die Kommunistische Partei, Herrscherin über den Staat, hat sich von den Massen abgesondert. Sie hat sich als unfähig erwiesen, das Land aus dem Schmutz zu holen. Zahllose Vorkommnisse in Petrograd und Moskau haben gezeigt, dass die Partei das Vertrauen der Masse verloren hat.“ (17)
Die bolschewistische Regierung streute das Gerücht, dass ein weißgardistische Putsch unter Führung des ehemaligen zaristischen Generals Kozlowsky im Gange sei. Der Umstand, dass Emigrantenblätter in Paris schon früher über Unruhe in Kronstadt gesprochen hatten, half den Beweis zu bringen, der gebraucht wurde, der bekannten Ablehnung er Konterrevolution durch die Kronstädter zum trotz. Allgemein sahen die Bolschewiki die Konterrevolution als etwas von außen und deshalb mussten die Kronstädter objektiv für die Konterrevolution arbeiten. Es gab sehr wichtige strategische Überlegungen die die Panik in Regierungszirkeln anheizte. So lange wie die See um Kronstadt gefroren war, konnte Kronstadt erreicht werden, aber sobald das Eis im Frühling geschmolzen war, war Kronstadt außer Reichweite und konnte eine mögliche Operationsbasis fremder kapitalistischer Kräfte werden. Deshalb gab es keine Zeit für lange Verhandlungen. Trotzki sandte den Kronstädtern ein Ultimatum (Dieses enthielt nebenbei gesagt nicht den Satz, dass die Matrosen wie die Rebhühner erschossen werden würden. Dieser befand sich in Wirklichkeit in einem Flugblatt des Petrograder Verteidigungskomitees unter Führung Sinowjews.) Trotzkis Ultimatum wurde am 7 März 1921 zurückgewiesen. Die Kronstädter Iswestja denunzierte Trotzki als „Diktator Sowjetrusslands“. Der erste Angriff fand am nächsten Tag statt, und scheiterte mit 500 toten Regierungssoldaten.
Hier tat sich nun eine Kluft auf, da der 10. Kongress der Russischen Kommunistischen Partei am selben Tag stattfand. Wenn weitere Nachweise notwenig waren um nahe zu legen, dass 1921 ein bedeutender Wendepunkt in der sowjetischen Revolution war, wurden diese auf dem 10. Parteikongress pünktlich erbracht. Es gab drei große Themen auf diesem Kongress: Das erste war die Rolle der Gewerkschaften im Sowjetsystem, dass zweite die Politik gegenüber den Bauern, da die Agrarproduktion durch das Notsystem während der Bürgerkriegsperiode um die Hälfte des Niveaus vom 1913 gefallen war, das dritte Thema war das Verbot von Fraktionen in der Partei.
Das Thema der Gewerkschaften wurde durch die Diskussion mit der Arbeiteropposition um Alexandra Kollontai und Alexander Schliapnikow bestimmt. Die Arbeiteropposition forderte, dass die Gewerkschaften die Produktion übernehmen sollten, aber da sie nur die Unterstützung von fünfzig Delegierten hatten, wurde dies in der Schlussresolution „ Über die Rolle und Aufgaben der Gewerkschaften“ zurückgewiesen. Stattdessen wurde beschlossen, dass die Gewerkschaften „Schulen des Kommunismus“ seien und deshalb nicht Teil des Staatsapparates seien könnten. In diesem Sinne kam man auch überein, dass die Gewerkschaften der Ort seien, wo die „Auswahl der Führer durch die organisierten Massen selber erfolgen solle.“ Dies allein ist ein Beweis für das Ausmaß des Niedergangs der Rätemacht, da es die Wiederbelebung der Rätedemokratie ausschließt.
Am 15. März beschloss der Kongress die Notwendigkeit der Neuen Ökonomischen Politik um die Getreiderequisitionen durch eine Art Steuer zu ersetzen. Praktisch war dies ein viel größeres Zugeständnis an die Bauern, als sie von den Kronstädtern gefordert wurde. Viele Bolschewiki wandten sich dagegen, darunter Ossinsky von der Gruppe der Demokratischen Zentralisten. Riazanow sprach von einem „Bauern-Brest-Littowsk“ womit er meinte, dass dies ein weiteres Zugeständnis an den Klassenfeind war. Lenins antwortete, dass „nur eine Verständigung mit den Bauern die Revolution retten könne.“
Faktisch bedeutete die NEP einen Generalangriff auf die Arbeiterklasse, weil sie zur Privatisierung kleinerer Firmen führte. Ohne staatliche Unterstützung entließen diese Arbeiter, was zu einem rapiden Anstieg der Arbeitslosigkeit und einem Sinken der Löhne führte. Die bolschewistische Partei war nun die herrschende Partei eines Staates, der versuchte bis zur Weltrevolution zu überleben, und gleichzeitig eine bürgerliche Konterrevolution ausführte. Trotz alledem konnten Revolutionäre solange Hoffnung für die Zukunft schöpfen, solange die bolschewistische Partei ihren Traditionen der offenen Debatte treu blieb. Die Schlussresolution des 10. Parteikongresses sprach sich jedoch für das Fraktionsverbot aus (wobei die Arbeiteropposition und die Demokratischen Zentralisten in der Resolution namentlich erwähnt wurden) Auch wenn dies nicht den Effekt hatte, der vielleicht beabsichtigt war (Fraktionen tauchten bis 1927 immer wieder auf), verpflichtete es die Bolschewiki ihre Partei noch stärker zu verteidigen als je zuvor. In der Tat scheint Lenin angesichts der Drohung die von den verschiedenen Fraktionen in der Gewerkschaftsfrage aufgeworfen wurden, überreagiert zu haben. Er ging fälschlicherweise davon aus, dass die Arbeiteropposition die Idee der Gewerkschaften gegen die der Partei unterstützte. Wie falsch er damit lag, zeigte sich an dem Umstand, dass Mitglieder der Bolschewiki in Kronstadt die Kronstädter Marinebasis verteidigten, während der Rest der Partei mobil macht um sie zu unterdrücken. So umfasste eine 300 Mitglieder starkes Kontingent, welches am letzten Sturm auf Kronstadt am 18. März teilnahm auch Oppositionelle.Ironischerweise fiel die Niederschlagung der Kommune von Kronstadt auf den 50 .Jahrestag der Entstehung der Pariser Kommune.
Serge fand die Feierlichkeiten anlässlich des Jahrestages der Pariser Kommune niederschmetternd angesichts der Tatsache, dass 10.000 Angreifer ihr Leben verloren hatten, 1500 Verteidiger Kronstadt getötet und 2500 inhaftiert worden waren. Einige von ihnen wurden von der Tscheka erschossen. Seine qualvolle Einschätzung der Situation ist wohl der beste die ein Zeitzeuge geben kann:
„Nach langem Zögern und mit unaussprechlicher Herzensangst erklärten wir, meine kommunistischen Freunde und ich, uns schließlich für die Partei. Hier die Gründe. Kronstadt war im Recht. Kronstadt begann eine neue befreiende Revolution, die der Volksdemokratie. „Die III Revolution“ sagten einige Anarchisten die mit kindlichen Illusionen voll gestopft waren. Allein das Land war völlig erschöpft, die Produktion stand fast völlig still, es gab keine Reserven irgendwelcher Art mehr, nicht einmal Reserven an Nervenstärke in der Seele der Massen. Die Elite des Proletariats, die in den Kämpfen mit dem Zarenregime geprägt worden war, war buchstäblich dezimiert. Die Partei die durch den Zulauf derer, die sich mit der Macht ausgesöhnt hatten, angewachsen war, flößte wenig Vertrauen ein. Von den anderen Parteien waren nur noch winzig kleine Kader von mehr als zweifelhaften Fähigkeiten vorhanden. (…) Wenn die Diktatur fiel, so bedeutete das in Kürze das Chaos, und die durch das Chaos hindurch das Vordringen der Bauern, das Massaker der Kommunisten, die Rückkehr der Emigranten und am Ende durch die Macht der Umstände eine andere, antiproletarische Diktatur.“ (18)
So ähnlich wurde später von den bolschewistischen Führern argumentiert, auch wenn diese die Lüge der Tscheka wiederholten, dass Kronstadt ein „weißgardistischer Verschwörung“ war, die zerschlagen werden musste. Bucharin schrieb, dass das nicht der Fall gewesen war, sondern dass eine Revolte „irrender proletarischer Brüder“ ausgemerzt werden musste. Lenin stellte später richtigerweise fest, dass die Kronstädter weder eine Regierung der Weißen noch der Bolschewiki wollten, aber dass es dazwischen keine Alternative gegeben hätte. Und dieses Argument wurde zu dieser Zeit auch international akzeptiert. Selbst die KAPD die sich in Opposition zur Dritten internationale bewegte, akzeptierte, dass die Unterdrückung von Kronstadt notwenig gewesen war.
Dennoch ist es eine Sache zu sagen, dass alle Internationalisten zu dieser Zeit die Unterdrückung von Kronstadt unterstützen und eine andere daraus nicht die Lehren zu ziehen. Während Trotzki in seiner Stalinbiographie im August 1940 noch sagen konnte, dass die Unterdrückung von Kronstadt eine „tragische Notwendigkeit“ gewesen war, können wir heute einen viel tieferen Blick auf dieses historische Lehrbeispiel werfen. Wir können hier Kronstadt nicht isoliert sehen. Wie sich herausstellte war es ein Sieg für die Konterrevolution – egal welche Seite auch gewonnen hatte. Auch wenn die Niederlage der Kronstädter Matrosen eine Niederlage für die Rätemacht in Russland war, waren die Perspektiven der internationalen Revolution nach offen, und dies war nach Meinung der damaligen Revolutionäre der entscheidende Punkt.
Das wirkliche Problem war der Umstand, dass die Partei der Staat war. Die entscheidende Lehre ist, dass die Partei die Partei des internationalen Proletariats zu sein hat, was auch immer ihre Mitglieder in den Räten eines jeweiligen Landes tun. Es mag sein dass in der Zukunft Situationen auftauchen, wo sich Parteimitglieder aufgrund der materiellen Entbehrungen wie 1921 gegenüberstehen, aber die Partei der Zukunft wird ein internationaler Organismus sein. Und dies nicht nur im ideellen Sinne. Sie wird nicht physisch an ein Territorium gekettet sein. Wenn der Begriff Rätemacht meint was er bedeutet, dann können die Räte eines jeweiligen Territoriums Vertreter der Partei wählen oder wieder abwählen – aber die Partei für sich steht ausschließlich für das Programm der internationalen Revolution.
Sie ist nicht der Staat noch wird sie Staatsgewalt ausüben, auch nicht in einem zeitweiligen Arbeiterstaat im Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus.(19) Für die Revolutionäre der damaligen Zeit musste der junge Arbeiterstaat in einem sehr kritischen Moment überleben. Wir können heute im Nachhinein sehen, dass was auch immer in Kronstadt passierte die Konterrevolution im Vormarsch war. Wir leiden heute noch an diesen Konsequenzen.

Die Märzaktion und der Dritte Kongress der Kommunistischen Internationale

Kronstadt war nicht das einzige Ereignis in diesem Monat welches das Abflauen der revolutionären Welle anzeigte. In Deutschland waren, wie wir weiter oben gesehen haben, die Kommunisten seit 1919 in KAPD und KPD gespalten und alle Versuche sie zu vereinigen stießen bei beiden Seiten auf taube Ohren. Für sich selbst genommen schwankte die KPD seit ihrer Gründung zwischen Passivität und Putschismus. Ihre Beteiligung an der Märzaktion war nicht nur ein Desaster welches ihr zwei Drittel ihrer Mitglieder kostete (die Mitgliederzahlen fielen innerhalb von drei Monaten von 450 000 auf 18 000) sondern auch die Moral und den revolutionären Willen der Arbeiterklasse schmälerte. Zum Teil fiel die KPD auf eine Provokation der Armee herein ( die versuchte Arbeiter zu entwaffnen), teilweise wurde sie von Radek und Bela Kun ermutigt mitzuhelfen die Isolation Sowjetrusslands zu überwinden, teilweise wollte sie im Auftreten entscheidender erscheinen als zur Zeit des Kappputsches als sie es der SPD überlassen hatte die Streiks zu organisieren die den rechten Putschversuch unterbanden.
Gegen Ende der Märzaktion versuchte der KPD-Führer Eberlein den Kampfwillen der Arbeiter dadurch zu stimulieren, indem KPD-Büros in die Luft gesprengt wurde – eine Taktik die der KPD schwer auf die Füße fiel, als sie von der herrschenden Klasse entlarvt wurde. Das Ende des Fiaskos war, dass Arbeiter in Hamburg die weiter kämpfen wollten in Konflikt mit Arbeitern gerieten, die eingesehen hatten, dass die Aktion vorbei war.
Lange vor der Niederlage der Märzaktion in Deutschland war Sowjetrussland in Verhandlungen über das eigene Überleben in der imperialistischen Nachkriegsszenerie getreten. Das bedeutete noch nicht automatisch die Aufgabe der Weltrevolution, sondern ein einfache Anerkennung der Schwäche der Sowjetökonomie und der Notwendigkeit einen Außenhandel zu etablieren. Am 16. März 1921, zwei Tage vor der endgültigen Niederschlagung von Kronstadt, unterschrieb die britische Regierung das Anglo–Sowjetische – Handelsabkommen, welches die faktische Anerkennung der Sowjetregierung im Gegenzug zum Verzicht auf Propaganda gegen die Briten in Afghanistan und Indien enthielt. Gleichzeitig waren geheime Verhandlung mit der deutschen Armee und Regierung im Gange, so dass selbst während der Märzaktion eine deutsche Handelsdelegation unter Rathenau Moskau besuchte. Krassin, der Sowjetkommissar für Außenhandel, warnte in diesem kritischen Moment, dass Streiks die Einfuhren nach Sowjetrussland verhindern könnten.
Ein weiteres Anzeichen dafür, dass die revolutionäre Welle im Absterben begriffen war, erbrachte der Dritte Kongress der Dritten (Kommunistischen) Internationale in Moskau vom Juni bis Juli 1921. Hier erklärte Trotzki den Delegierten, dass die Weltrevolution 1919 eine „Frage von Monaten“ gewesen war. Nun wurde von einer „Frage vom Jahren“ gesprochen. Das Debakel der Märzaktion und die Kronstadtrevolte lag schwer auf den Gemütern der bolschewistischen Führer, die die wichtigsten Debatten organisierten. Der Bezugsrahmen lag nun nicht mehr innerhalb der intrasingenten revolutionären Positionen der 21 Bedingungen, die der Zweite Kongress verabschiedet hatte. Zu dieser Zeit lag der Schwerpunkt der Debatten auf der Frage, wie die Kommunistischen Parteien Masseneinfluss erlangen könnten. Unter der Annahme, dass die revolutionäre Welle im Abflauen begriffen war, bedeutete dies zu versuchen Bündnisse mit denselben Sozialdemokraten zu schließen, die 1914 ins imperialistische Lager eingetreten und für die Ermordung Hunderter Kommunisten durch die Kryptofaschisten verantwortlich waren. Der Dritte Weltkongress war somit ein weiterer Schritt in der konterrevolutionären Wende von 1921. Dies wurde zunächst in der Debatte über die vorher so genannte „nationale und koloniale Frage“ deutlich. Früher stand die Internationale für eine übertriebene Politik die die nationalen Kämpfe gegen den Imperialismus mit dem Kampf für den Kommunismus in Verbindung brachte. Nun (neun Monate nach dem Kongress von Baku) bezog sie sich nicht einmal mehr auf die „nationale und antikolonialen Kämpfe“ sondern auf die „östliche Frage“. Ein russischer Handelsvertrag mit dem britischen Empire sowie Verträge mit Persien (Iran) und der Türkei hatten zur Auswirkung, dass diese Regierungen nicht mehr kritisiert wurden. Es ist ein kleines Wunder, dass der indische Kommunist Roy das einzig schwerwiegende Urteil in dieser Debatte aussprach, als er die Komintern-Politik als puren Opportunismus denunzierte, der „einem Kongress der Zweiten Internationale würdig sei.“ 20
Das gleiche traf auch auf die generelle Wende in der Politik gegenüber der Sozialdemokratie zu. Die Einheitsfront mit den Schlächtern der Arbeiterklasse wäre auf dem Dritten Weltkongress proklamiert worden, wenn sie nicht so sehr mit dem in Ungnade gefallenen KPD-Führer Paul Levi assoziiert gewesen wäre, der zu Beginn des Jahres ausgeschlossen worden war. Stattdessen wurde von den bolschewistischen Führern auf dem Dritten Weltkongress die Parole „zu den Massen“ beschworen. Aber die Kommunisten verfolgten dieses Konzept schon als sie versuchten die sozialdemokratischen Parteien zu spalten. Was konnte also diese Losung bedeuten?
Nichts anderes als eine Annährung an die Sozialdemokratie auf allen Ebenen. Während unsere politischen Vorläufer, die zu diesem Zeitpunkt die italienische kommunistische Partei führten, keine Probleme mit dieser Losung hatten, entschieden sie sich sie anders anzuwenden. Für sie bedeutete die Losung „zu den Massen“ die Beteiligung an Streiks und anderen Aktionen mit den Arbeitern der sozialdemokratischen Parteien, und die fortgesetzte Kritik an der Klassenkollaboration ihrer Führer. Als die russische Partei die Losung der „Einheitsfront“ im Dezember zum ersten Mal annahm, war klar, dass damit nicht die Arbeit mit der Basis sondern mit den Führen gemeint war – dies war ein erster Schritt in der Aufgabe des revolutionären Weges auf internationaler Ebene. Es wurde natürlich nicht als solches angekündigt, aber faktisch war es so. Wenn 1921 gezeigt hat, dass die Revolution in Russland sich nun gegen Arbeiter richtete, so war dies ebenso der Beginn der Aufgabe der proletarischen Prinzipien des Internationalismus. Nach dem Urteil unserer Genossen des Partito Comunista Internazionalista (Battaglia Comunista) war der Dritte Kongress der Wendepunkt in der Geschichte der Kommunistischen Internationale:“ Die Widersprüche die auf globaler Ebene aufflammten, erstickten das erste revolutionäre Experiment. Die Revolution in einem Land durchgeführt, die eigene Bourgeoisie in einem bewaffneten Konflikt zeitweise besiegt zu haben, bedeutete noch nicht den Aufbau des Sozialismus sondern nur die Schaffung der notwendigen Vorraussetzungen dafür. Es ist absolut notwendig die politischen Instrumente durch die die Bourgeoise ihre Klassenherrschaft ausübt zu zerschlagen und sie durch andere proletarische Strukturen zu ersetzen, die auf einer eisernen Klassendiktatur aufbauen. Aber das allein ist noch nicht genug.
Um erfolgreich in Richtung Sozialismus voranzuschreiten, brauchte die Revolution ausreichend entwickelte politische Strukturen und eine vom Weltmarkt vollkommen unabhängige Ökonomie – Bedingungen die in Russland fehlten. Deshalb lag die einzige Rettung aus der Rückständigkeit Russlands im revolutionären Sieg in einigen westlichen oder selbst einem industriell fortgeschrittenen Land. Daraus folgte, dass die Kommunistische Internationale und die Bolschewistische Partei, die ob sie nun wollte oder nicht das Rückrat der Komintern darstellte, gezwungen war alles zu tun, um eine kompromisslose Lösung auf der Basis der ersten zwei Kongresse zu beschleunigen und zu propagieren.
Die Aufgabe der politischen Autonomie der Klassenpartei und der Diktatur des Proletariats halfen jedoch weder die Führungen der sozialdemokratischen Parteien zu überzeugen, noch die Massen um ein revolutionäres Programm zu scharen, sondern nur das internationale Proletariat zu verwirren, seine politischen Waffen des Kampfes abzustumpfen, seine Ziele zu verdunkeln. Es kam der berechtigte Verdacht auf, ob hinter den offiziellen Analysen der bolschewistischen Führer und der Komintern eine Sichtweise stand, die die Dinge weniger vorteilhaft einschätzte, als ursprünglich vorhergesagt. Es wurde deswegen als vorteilhafter angesehen, der prekären russischen Situation durch einen internationalen Pakt mit der Sozialdemokratie eine Sicherheitsgarantie zu geben, anstatt die Revolution auszuweiten. Nur auf diesem Hintergrund können wir verstehen, wie die taktische Einrichtung der Einheitsfront und der Arbeiterregierungen aus einer Doppelzüngigkeit entsprangen und reale Gestalt annahm. (21)
Am 1. Mai 1922 wurde die Losung der Weltrevolution unter den von der russischen Kommunistischen Partei herausgegebenen Parolen zum ersten Mal ausgespart. Die Revolutionäre der damaligen Zeit waren sich dieser Bedeutung nicht bewusst. Rückschläge werden immer und in jedem Prozess auftauchen und Revolutionäre müssen den rationalen Optimismus bewahren diese Rückschläge überwinden zu können. Trotzki verteidigte die Linie „zu den Massen“ als „Strategie des temporären Rückzugs“ – aber wie lange ist „ temporär“? 1922 kritisierte Amadeo Bordiga offen, „die Gefahr, dass die Einheitsfront zu einem kommunistischen Revisionismus degeneriere“. (22) 1924 forderte er, dass die Losung der „Einheitsfront“ und der „Arbeiterregierung“ als totale Konfusion fallengelassen werden müsste. Zu dieser Zeit war die Degeneration jedoch im Rahmen der Bolschewisierung weiter fortgeschritten, was dazu führte, dass die Führer der kommunistischen Partei nach dem Kriterium ihrer Ergebenheit gegenüber Moskau und der Außenpolitik des Sowjetstaates ausgesucht wurden. Bordiga wurde auf Moskaus Anweisung durch Antonio Gramsci ersetzt und dieser benutzte verschiedene organisatorische Kniffe, um den Einfluss der italienischen kommunistischen Linken über die Kommunistische Partei Italiens zu brechen ( was ihm erst 1926 auf dem Kongress von Lyon gelang) (23) Zu dieser Zeit gründeten unsere politischen Vorläufer in der Kommunistischen Linken die „Comitati de Intesa“ (Komitees der Zusammenarbeit) deren Plattform das Urteil über das gesamte Fiasko der Kominternpolitik folgendermaßen auf den Punkt brachte: „ Es ist falsch zu denken, dass der Einfluss der Partei in jeder Situation durch Notbehelfe und taktische Manöver ausgeweitet werden kann, da das Verhältnis der Partei zu den Massen zu einem großen Teil durch die objektive Situation bestimmt ist“. (24)

Die Revolution ist die Sache der Massen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass 1921 nicht einfach eine Kette vereinzelter Rückschläge, sondern das reale Ende der revolutionären Welle, der definitive Beginn der Umkehr jenes Prozesses war, der die weltweite proletarische Revolution auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Für die Revolutionäre der damaligen Zeit war es offensichtlich, dass ein massiver Rückzug auf internationaler Ebene eintrat. Die Bolschewiki gingen davon aus, dass sie eine proletarische Bastion bis zum Ausbruch der Weltrevolution halten mussten. Aber die Schwäche des russischen Proletariats führte dazu, dass sich die bolschewistische Partei zunehmend nicht nur zu einem Direktor des Staates sondern zum Staat an sich wandelte. Und dieser Staat wurde zunehmend einer des entstehenden Sowjet- Kapitalismus gegen die Arbeiterklasse. Deswegen haben wir es mit einer der komplexesten Konterrevolutionen der Geschichte zu tun, in der sich eine Partei die 1917 der klarste Ausdruck des Klassenbewusstseins war, bedingt durch die historischen Umstände des Krieges den das isolierte russische Proletariat gegen den Imperialismus führte, zu einem Handlanger der proletarischen Niederlage transformierte. Den oppositionellen Strömungen innerhalb der bolschewistischen Partei und auch Lenin entging dies nicht. Auf dem 11. Parteikongress der Russischen Kommunistischen Partei im März 1922 erklärte Lenin: Es mangelt der Schicht von Kommunisten, die leitende Funktionen in der Verwaltung ausüben, an Kultur man nehme doch Moskau – die 4700 verantwortlichen Kommunisten – und dazu dieses bürokratische Ungetüm, diesen Haufen, wer leitet da und wer wird geleitet? Ich bezweifle sehr, ob man sagen könnte, dass die Kommunisten diesen Haufen leiten. Um die Wahrheit zu sagen, nicht sie leiten, sondern sie werden geleitet. (25)
Dennoch können wir nur im Nachhinein sehen, dass 1921 das Jahr war in dem die Revolution verloren ging und dies muss Teil unserer Bilanz der russischen Erfahrung sein. Die Schlussfolgerung die wir aus dieser Erfahrung ziehen ist keine rätekommunistische, nach der alle Parteien bürgerlich seien ( So wie es Otto Rühle schlussfolgerte bevor er sich aus dem Staub machte um für die mexikanische Regierung der „Partei der Institutionellen Revolution“ zu arbeiten) Weil die Arbeiterklasse kein Eigentum zu verteidigen hat, kann ihr Bewusstsein (verkörpert in einem Programm) nur in einem kollektiven Rahmen Gestalt annehmen. Und weil einige Arbeiter dank ihrer Erfahrungen früher als andere revolutionäre Ideen entwickeln, müssen sie sich eigenständig organisieren. Die setzt einen politischen Organismus voraus, der nicht auf Kompromissen mit der Kapitalistenklasse basiert, sondern als deren beständiger Widersacher agiert. Aus unserer Sicht kann dies nur eine revolutionäre Partei sein. Was 1921 und der Niedergang der Revolution zeigt, ist die Notwendigkeit einer solchen internationalen und zentralisierten Partei vor dem revolutionären Ausbruch. Solch eine Partei muss als Organismus außerhalb aller Regierungs- und Staatsfunktionen bleiben, egal was ihre lokalen Mitglieder auch tun müssen. Auf der lokalen Ebene muss die Macht durch bewaffnete Arbeiterräte ausgeübt werden. Sie sind die einzigen Staatsorgane bis die Bourgeoisie weltweit unterdrückt ist. Die Partei ist eine politische Avantgarde die das kommunistische Programm verteidigt bis sich alle Erdeteile im Einklang mit dem Kommunismus sehen. Es mag jene geben, die argumentieren, dass dies utopisch und idealistisch sei, aber wir sollten uns erinnern, dass selbst 1921 auf dem 10.Parteikongress, „ Lenin für einen kurzen Moment mit dem Gedanken spielte eine Trennung zwischen Partei und Staat einzuführen. Er betonte kurz die Bestimmung und Unterschiede beider Sphären und schlug vor, dass den Staatsorganen mehr Autonomie und Freiheiten vor dem Zugriff der Partei gegeben werden sollte.“ (26)
Später soll Lenin „fast instinktiv“ eingesehen haben, dass sein Vorschlag nicht funktionieren würde. (27) Aber dies war der Situation im Jahre 1921 geschuldet, die es nicht erlaubte die Geschichte umzuschreiben. Die Bolschewiki konnten die Staatsmacht nicht aufgeben, weil die Räte allmählich zu leeren Hüllen geworden waren. Wenn dieser Vorschlag im November 1917 gemacht worden wäre, und die Räte politisches Leben behalten hätten, wäre er möglich gewesen. 1921 waren die Bolschewiki zu einer Wartestellung verdammt und mussten solange die Staatsgewalt in den Händen halten und hoffen, „dass sich irgendetwas in Gestalt der Weltrevolution“ entwickeln würde.
All dies ist reine Utopie solange sich die Arbeiterklasse nicht massenhaft in Bewegung setzt und der internationalen Partei und den Räten Leben zuführt. Die einzige Garantie des Sieges besteht in der relativ schnellen Ausweitung der Revolution, nicht zu letzt auf die zentralen imperialistischen Länder, da diese solange sie nicht paralysiert sind, die Kapazität haben, jede revolutionäre Initiative im Keim zu ersticken. Durch das vom Zaumbrechen eines internationalern Bürgerkrieges gegen eine ausgelaugte Räterepublik, waren sie in der Lage diese materiell zu zerstören. Während die Bolschewiki militärisch auf dem russischen Territorium den Sieg davontrugen, führten die Fehler der Weltrevolution anderswo dazu, dass der Klassenkampf politisch verloren wurde. Die Einführung der NEP und der „Einheitsfrontpolitik“ 1921 waren die Grabinschriften dieser politischen Niederlage. Die Arbeiterklasse leidet immer noch an diesen Konsequenzen. (Jock)

Anmerkungen:

1) Victor Serge: The Revolution in Danger, Redwords 1997.
2) Wir lehnen den Begriff des “libertären Marxismus” ab, da für wirkliche Marxisten der Marxismus per se libertär oder gar nichts ist. Stalinismus etc. ist kein Marxismus. Für unsere Position zur Oktoberrevolution siehe unsere Broschüre „1917“ (Über die CWO erhältlich) Eine neue Version die die Konterevolution stärker ins Blickfeld zieht ist in Vorbereitung.
3) Vergleiche die Diskrepanzen zwischen Arthur Ransomes „Six Weeks in Russia 1919“ und „The Crisis in Russia 1920“ beides erschienen bei Redwords, 1992.
4) Zitiert nach W.P. und Z.K. Coates: Armed Intervention in Russia, London 1935, Seite 229.
5) Zit. Nach Edward Arnold: Rethinking the Russian Revolution, Oxford 1990, Seite 204.
6) Victor Serge: Erinnerungen eines Revolutionärs, Hamburg 1977, Seite 84
7) Ebenso sollte die heroische Oppositionshaltung der kleineren sozialistischen Parteien Serbiens und Bulgariens erwähnt werden.
8) Lenin, Ausgewählte Werke Bd.IV, Seite 156.
9) Lenin, ebenda Seite 198.
10) Zit. Nach John Riddel (Hrsg.): The German Revolution and the Debate on Soviet Power, New York 1986, Seite 133.
11) Zit. Nach E.H. Carr: The Bolshevik Revolution (Bd. 3) 1966, Seite 133.
12) Die britischen Truppen wurden erst zurückgezogen als sich Lodoner Hafenarbeiter weigerten die Jolloy George ein Transportschiff für Murmansk zu beladen. (Carr ebenda)
13) Carr ebenda, Seite 138.
14) L. Krittsman: The Heroric Period in the Great October Revolution, 1996, Seite 166.
15) Vergleiche P.Binns, T.Cliff und C.Harman: Russia: From Workers State to State Capitalism, London 1987, Seite 20. Sie entwickeln hier nichts weiter als eine Wiederholung von Trotzkis falschen Anschuldigungen aus seinem Artikel “Zetergeschrei um Kronstadt.
16) Zit. Nach Kronstadt 192, Analysis of a Popular Uprising in the Time of Lenin, in Revolutionary Perspectives Nr. 23, Seite 22.
17) Ida Mett: The Kronstadt Commune
18) Victor Serge: Erinnerungen eines Revolutionärs, Seite 148.
19) Wir lehnen auch den Idealismus der Internationalen Kommunistischen Strömung ab, die glaubt dass es ausreicht „alle Aktionen der Gewalt innerhalb des Proletariats zu verbannen.“ Als ob dies das Problem lösen würde. Es ist nicht nur eine nichts sagende Resolution der jeder zustimmen kann, es wirft auch eine andere Frage auf: Die Entscheidung wer zum Proletariat gehört und wer nicht muss getroffen werden, und es ist uns mehr als unwohl dabei diese Entscheidung der IKS zu überlassen.
20) Vergl. E.H.Carr: The Bolshevik Revolution Bd. 3, Seite 386.
21) I nodi irrisolti della stalinismo alla base delle perestrojka, Seite 20-21, Edizioni Prometeo 1989, zu beziehen über den PCint.(batcom@ibrp.org)
22) Vergl. G.Williams: Proletarian Order, Seite 213
23) Vergl. Unsere Broschüre “Platform of the Committee of Intesa 1925.
24) Ebenda Seite 1
25) Lenin Werke Dietz Verlag Berlin 1984 Bd. 33; Seite 275.
26) M. Harding: Lenin`s Political Thought, 1977, Seite 296.
27) Ebenda