„Entweder wir bestimmen unsere Geschichte selbst, oder andere werden sie ohne uns bestimmen!“

Erklärung der Vollversammlung der aufständischen Arbeiter in der besetzten GSEE-Gewerkschaftszentrale in Athen

Die Sozialrevolte in Griechenland reißt nicht ab und wendet sich in Teilen direkt gegen die institutionellen Befriedungsmechanismen des Systems. Gleichwohl versucht die Presse der Bourgeoisie alles, um die derzeitigen Bewegungsansätze als „unpolitische Gewalt“ bzw. das Werk einer „kleinen Minderheit von Anarchisten“ hinzustellen. Gegen diese Spaltungsmanöver und in politischer Solidarität mit der Bewegung dokumentieren wir hiermit die Erklärung „aufständischer Arbeiter“, die die GSEE -Gewerkschaftszentrale besetzten.

Wir, manuelle Arbeiter, Angestellte, Erwerbslose, Zeitarbeiter, ob hier geboren oder eingewandert, sind keine passiven Fernsehkonsumenten. Seit dem Mord an Alexandros Grigoropoulos Samstagnacht nehmen wir an den Demonstrationen teil, an den Zusammenstößen mit der Polizei, den Besetzungen der Innenstadt oder der Wohnviertel. Immer wieder haben wir unsere Arbeit und unsere täglichen Verpflichtungen fallen gelassen um mit den Schülern, Studenten und den anderen kämpfenden Proletariern auf die Straße zu gehen.
Wir haben entschieden, das Gebäude der GSEE zu besetzen
• Um es in einen Ort des freien Meinungsaustausches und in einen Treffpunkt für Arbeiter zu verwandeln.
• Um den von den Medien verbreiteten Irrglauben zu widerlegen, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht an den Zusammenstößen der letzten Tage beteiligt waren sondern, dass die um sich greifende Wut Sache von 500 „Vermummten“, „Hooligans“ sei, sowie anderen Ammenmärchen die erzählt werden. Auf den Fernsehschirmen werden die Arbeiter als Opfer der Unruhen dargestellt, während gleichzeitig die kapitalistische Krise in Griechenland und der restlichen Welt zu unzähligen Entlassungen führen, die von den Medien und ihren Managern als „Naturereignisse“ behandelt werden.
• Um die Rolle der Gewerkschaftsbürokratie bei der Untergrabung des Aufstandes – und nicht nur dort – aufzudecken. Die GSEE und der ganze seit Jahrzehnten dahintersteckende gewerkschaftliche Apparat, untergraben die Kämpfe, handeln Brotkrumen für unsere Arbeitskraft aus und verewigen das System der Ausbeutung und der Lohnsklaverei. Das Vorgehen der GSEE am letzten Mittwoch (dem Tag des Generalstreiks) ist ziemlich erhellend: Die GSEE setzte eine vorgesehene Demonstration der streikenden Arbeiter ab, stattdessen gab es eine kurze Kundgebung am Syntagma Platz, bei der sie gleichzeitig dafür sorgte, dass die Leute in aller Eile den Platz verließen, aus Furcht davor, dass sie mit dem Virus des Aufstandes infiziert werden könnten.
• Um diesen Ort, der mit unseren Beiträgen erbaut wurde, von dem wir aber ausgeschlossen waren, zum ersten Mal zu einem offenen Ort zu machen. Einem offenen Ort in Fortsetzung der sozialen Öffnung, die der Aufstand hervorgebracht hat. All die vielen Jahre haben wir schicksalhaft allen möglichen Heilsverkündern geglaubt und haben dabei unsere Würde verloren. Als Arbeiter und Arbeiterinnen müssen wir unsere Sache selbst in die Hand nehmen und Schluss damit machen, unsere Hoffnungen auf kluge Anführer oder „fähige“ Vertreter zu übertragen. Wir müssen unsere Stimme gegen die dauernden Angriffe erheben, uns treffen, miteinander reden, zusammen entscheiden und handeln. Gegen die allgemeinen Angriffe einen langen Kampf führen. Der Aufbau von kollektivem Basis-Widerstand ist der einzige Weg dazu.
• Um die Idee von Selbstorganisaton und Solidarität an den Arbeitsorten, den Kampfkomitees und dem kollektiven Handeln der Basis zu verbreiten und dadurch die Gewerkschaftsbürokratien abzuschaffen.
All die Jahre haben wir das Elend hinuntergeschluckt, die Ausnutzung der Situation der Schwächeren, die Gewalt auf der Arbeit. Wir haben uns daran gewöhnt, die Verkrüppelten und die Toten – die sogenannten „Arbeitsunfälle“ – einfach nur noch zu zählen. Wir haben uns daran gewöhnt, zu ignorieren, dass die Migranten, unsere Klassenbrüder- und Schwestern, getötet werden. Wir haben die Schnauze voll davon, mit der Angst um unseren Lohn, einfach Steuern zu zahlen und einer Rente, die sich mittlerweile wie ein in die Ferne entrückter Traum anfühlt, zu leben.
So wie wir darum kämpfen, unsere Leben nicht an die Bosse und die Gewerkschaftsvertreter zu verlieren, so werden wir auch keinen der verhafteten Aufständischen alleine lassen, die sich in den Händen des Staates und der Justizmaschine befinden.
Sofortige Freilassung der Festgenommenen!
Keine Strafe für die Verhafteten!
Selbstorganisation der Arbeiter und Arbeiterinnen!
Generalstreik!
Die Arbeiter-Versammlung im „befreiten“ Gebäude der GSEE