Die Italienische Kommunistische Linke – Ein kurzer Abriss über ihre Entstehung und Entwicklung

Der Begriff „Kommunistische Linke“ ist heute etwas verwirrend. Die Gruppen des Internationalen Büros benutzen ihn nicht häufig. Vielmehr ziehen wir es vor und uns als „Internationalisten“ zu bezeichnen. Wir versuchen auch den Begriff „Italienische Linke“ nach Möglichkeit zu vermeiden, weil auch er zu noch mehr Verwirrung führen kann. In der „Italienischen Linken“ gibt es drei Komponenten die Internationalistische Kommunistische Partei- Battaglia Comunista ( die wichtigste Gruppe des IBRP), die Französische Kommunistische Linke ( der Vorläufer der IKS) und die Bordigisten ( die mittlerweile in viele Gruppen aufgesplittert sind aber ihren Ursprung in Programma Comunista hatten. Für uns besteht eine der größten Konfusionen die heute herumgeistern darin, dass die Tradition der Italienischen Linken des Öfteren mit Bordiga und dem Bordigismus identifiziert wird. Die Ideen der Italienischen Linken hatten in zwei Perioden einen großen Anklang: 1919-1924 und in etwas geringerem Maße 1943-1949.

Gründung und Kampf um die Kommunistische Partei

Fangen wir mit der ersten Periode nach dem Ersten Weltkrieg und der Russischen Revolution an. Die große Schwierigkeit in Italien bestand darin, eine Kommunistische Partei zu formieren, die sich der 1919 gegründeten Dritten Internationale hätte anschließen können. Das Problem mit dem die Linke konfrontiert war, waren die vielen Konfusionen in der PSI unter Führung Serratis, der faktisch die Option eines Anschlusses and die Dritte Internationale in den Raum stellte, ohne jedoch konkrete Schritte in diese Richtung zu unternehmen. Dazu kam noch dass der PSI bis zum Kriegseintritt Italiens 1915 in der Lage war, bezüglich des Krieges eine „Weder- Noch-Position“ einzunehmen. Dies gab vielen Konfusionen Auftrieb und erschwerte die Entwicklung einer internationalistischen Linken. Nach dem Krieg wurde Italien von einer Welle des politischen Aufruhrs erschüttert. Die Arbeiter traten zu tausenden in den Streik traten und besetzten die Fabriken. Diese Periode wurde später als „bienno rosso“ – die zwei roten Jahre bekannt. Allerdings existierte keine Klassenpartei die diese Kämpfe auf einen Angriff auf den Staat hätte konzentrieren können. Die Arbeiter bleiben in den besetzten Betrieben, während die herrschende Klasse abwartete bis die Bewegung sich erschöpfte. Zu dem Zeitpunkt als die Linke mit dem PSI brach, um 1921 in Livorno die Kommunistische Partei ins Leben zu rufen, war die Klassenbewegung vorbei und die Bourgeoisie wandte sich dem Faschismus zu. Der erste Generalsekretär der Kommunistischen Partei war der junge Amadeo Bordiga, der schon damals einen gewissen Hang zum Schematismus hatte. Einer seiner damaligen Fehler bestand darin, dass die von ihm geführte Fraktion das Hauptgewicht auf den Absentionismus (Wahlboykott) legte. Bordiga führte den Reformismus des PSI im Wesentlichen auf ihre parlamentarischen Privilegien zurück. In der Betonung des Absentionismus sah er daher das beste Mittel, die Reformisten aus der neuen Partei herauszuhalten. Um so größer war die Verwirrung als Bordiga auf dem Zweiten Weltkongress der Kommunistischen Internationale auf die Annahme der 21. Bedingungen bestand, die alle Kommunistischen Parteien darauf verpflichtete die Beschlüsse der Komintern als verbindlich anzuerkennen. Praktisch hatte dies zur Folge, dass auch die italienische Partei auf die Anwendung parlamentarischer und Gewerkschaftstaktiken verpflichtet wurde, was viele als einen Schritt rückwärts ansahen. Bordiga war jedoch davon überzeugt, dass eine zentralisierte Internationale vor allen anderen Vorrang hätte. Dies war auch die Grundlage seiner Kritik an der KAPD, bzw. den deutschen Linkskommunisten, die taktische Fragen zu einem Prinzip erhoben und über die Einheit und gemeinsame Aktion der Kommunisten stellen. Ihnen gegenüber erklärte er: „Als Marxist bin ich in erster Linie Zentralist und erst dann Abstentionist.“
Nach der Niederlage der revolutionären Bewegung verschärfte sich in Italien die Lage der Arbeiterklasse zusehends. Die Reaktion war auf dem Vormarsch. Gleichzeitig befand sich die Komintern im sichtbaren Zerfall. Auf ihrem Vierten Kongress 1922 wurde beschlossen „Einheitsfronten“ mit den gleichen sozialdemokratischen Parteien einzugehen, die den imperialistischen Krieg unterstützt, und die Arbeiteraufstände sabotiert und zerschlagen hatten. Für die Kommunistische Linke stellt die Annahme der Einheitsfrontpolitik ein Wendepunkt in der Geschichte der Arbeiterklasse dar. Es ist eine der zentralen Positionen, die uns bspw. von allen trotzkistischen Strömungen unterscheidet. In Italien kontrollierte die Linke immer noch die Partei. Sie entwickelte die Konzeption einer „Einheitsfront von unten“ und versuchte andere kommunistische Parteien von dieser Vorgehensweise zu überzeugen. Die grundlegende Idee dabei war, dass Kommunisten auf Betriebsebene mit sozialdemokratischen Arbeiten zusammenarbeiten sollten ohne allerdings offizielle Bündnisse mit diesen Parteien einzugehen. Doch auch das war zuviel für das Exekutivkomitee der Komintern. Als Bordiga 1923 von der faschistischen Regierung inhaftiert wurde, nutzten sie die Chance um Gramsci als Parteisekretär einzusetzen. Unter ihm wurde die Partei „bolschewisiert“ und die Linke Schritt für Schritt aus zentralen Positionen entfernt. Bordiga beteiligte sich nicht aktiv am Kampf der Opposition, da er die zentrale Autorität des Exekutivkomitees der Komintern anerkannte. Allerdings hielt er auch nicht mit seiner Kritik über den Kurs der Partei und der Internationale hinter dem Berg. So unterstützte er auch die Bemühungen der Genossen, die mit der Plattform der „Comitai di Intesa“ (Ententekomitee) eine grundlegende Kritik an der Degeneration der Partei übten und das Fiasko der Kominternpolitik auf den Punkt brachten:
„Es ist falsch zu denken, dass der Einfluss der Partei in jeder Situation durch Notbehelfe und taktische Manöver ausgeweitet werden kann, da das Verhältnis der Partei zu den Massen zu einem großen Teil durch die objektive Situation bestimmt ist.“
Zu den Unterzeichnern dieses Dokuments gehörten u.a. Onorato Damen und Francesca Grossi (Cecca), die sich später aktiv an der Gründung unserer italienischen Schwesterorganisation, dem Partito Comunista Internazionalista beteiligten.
Das Exekutivkomitee der Komintern forderte den Ausschluss aller Unterstützer dieser Oppositionsplattform. Doch obwohl viele Mitglieder der Italienischen Linken durch Gramsci aus allen Funktionen entfernt wurden, setzte sie ihren politischen Kampf gegen die Degeneration der Partei fort. 1926 spitzte sich dieser Kampf zu. In seiner letzten Rede vor der Komintern griff Bordiga Stalin scharf an, kritisierte die Abkehr von den internationalistischen Prinzipien und die Behandlung Trotzkis. Im Vorfeld des Kongresses der italienischen Partei wurden alle der Linken zugerechnete Funktionäre von Gramsci darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie ihre Ämter und Funktionen verlieren würden, wenn sie nicht für seine Resolutionen stimmten. Unter diesem Druck gaben einige nach, so dass die Linke weiter in die Isolation geriet. Die Linke wurde nun aus der Partei ausgeschlossen und viele ihrer Militanten mussten vor den Faschisten ins Exil nach Frankreich oder Belgien fliehen. Onorato Damen blieb in Italien. Er wurde mehrere Male verhaftet und war sowohl während des Spanischen Bürgerkrieges als auch während des Zweiten Weltkrieges inhaftiert. Auch Bordiga blieb in Italien, zog sich jedoch vollständig ins Privatleben zurück und konnte als Ingenieur in Neapel seinem Beruf nachgehen. Bis 1945 spielte er in der politischen Aktivität keine Rolle mehr.

Die Fraktion der Kommunistischen Linken

1928 konstituierten sich die Mitglieder der italienischen Linken auf einer Konferenz in Pantin als „Fraktion der italienischen Kommunistischen Linken“. Sie gaben die Zeitschriften Prometeo und später Bilan (Bilanz) heraus. Gleichwohl war die Fraktion alles andere als homogen, was angesichts der Umstände auch schwer möglich war. Unsere Genossen befanden sich mitten in einem konterrevolutionären Prozess. Das Problem bestand darin, dass Ausmaß die Ursachen und die Gründe für diesen Prozess zu verstehen. Der Krieg in Spanien führte zu ernsthaften Meinungsunterschieden in der Fraktion. Eine Minderheit der Genossen dachte, durch eine Beteiligung auf der republikanischen Seite diesen Krieg in einen revolutionären kommunistischen Kampf umwandeln zu können. Diese Genossen, die in den Milizen der POUM kämpften, mussten unter großen Opfern einsehen, dass es unmöglich war in diesem Vorspiel eines imperialistischen Krieges die Arbeiter für den Kommunismus zu gewinnen. Die große Leistung der Genossen der Mehrheit, die die Zeitschrift Bilan herausgaben bestand darin, zu verstehen wie mit der Ideologie des Antifaschismus versucht wurde, die Arbeiterklasse für die Unterstützung eines imperialistischen Lagers zu gewinnen.
Gleichwohl tauchten in der Gruppe um Bilan weitere Meinungsverschiedenheiten auf. Während bspw. ein Teil der Gruppe die Möglichkeit bestritt den Klassencharakter der UdSSR genau zu definieren, gingen andere davon aus, dass die Politik von Partei und Staat der Ausdruck einer sozialen wie politischen Konterrevolution sei. Während der Staat nicht mehr als proletarischer Halbstaat (Lenin – Staat und Revolution) anzusehen sei, habe die Partei die Klassenlinie überschritten und fungiere als herrschende Klasse gegen das Proletariat.
Ebenso traten in der Gruppe um Bilan Unklarheiten über die Rolle des Staates in der Übergangsperiode zutage. Ein weiteres Problem war die Analyse der ökonomischen Widersprüche des Kapitalismus. Ein Genosse der Fraktion, Mitchel, ging in seinen Texten davon aus, dass Luxemburgs ökonomische Theorie die einzige Erklärung für die kapitalistische Krise sei, was zu desaströsen Fehleinschätzungen führte. Die Annahme, dass es dem Kapitalismus möglich sei durch Rüstungsproduktion aus der Depression herauszukommen, führte zu der falschen Schlussfolgerung, dass ein weiterer imperialistischer Krieg vermieden werden könnte.
Die Fraktion stellte die Herausgabe von Bilan schließlich ein und gab die Zeitschrift Octobre heraus, von der nur ein halbes Dutzend Ausgaben in den letzten Friedensmonaten erschienen. Es ist kein Wunder, dass die im Exil agierende linke Fraktion durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges faktisch paralysiert wurde. Einige Mitglieder der Fraktion wurden von den Stalinisten, andere von den Faschisten ermordet. Im faschistischen Italien gelang es jedoch der Linken trotz heftiger Repression im Untergrund zu überleben.

Die Gründung des Partito Comunista Internazionalista

Mit dem Zusammenbruch des Mussoliniregimes eröffneten sich neue Spielräume für klandestine Aktivitäten. Onorato Damen, Stefanini und andere nutzten diese Möglichkeiten, um unter großen Sicherheitsvorkehrungen den Partito Comunista Internazionalista ins Leben zu rufen. Die ersten Ausgaben einer neuen Serie von Prometeo sowie mehrere Flugblätter wurden herausgegeben. Gegen den Strom schwimmend vertrat der PCInt in seinen Publikationen einen kompromisslosen revolutionären Defätismus. So hieß es bspw. in der Ausgabe von Prometeo vom 1. November 1943: Gegen die Losung des nationalen Krieges, die die italienischen Arbeiter gegen die deutschen und englischen Proletarier in Stellung bringt, setzten wir die Losung der kommunistischen Revolution, die die Arbeiter der ganzen Welt gegen ihren gemeinsamen Feind, den Kapitalismus vereint.“
Viele Genossen die aus dem französischen oder belgischen Exil heimkehrten schlossen sich dem PCInt an. Lediglich die kleine Gauche Communiste de France lehnte einen Beitritt ab und stellte 1952 ihre Aktivitäten ein.(1)
Der PCInt setzte die Arbeit von Bilan fort, konnte jedoch alte Konfusionen überwinden. Aus den Erfahrungen der Klassenbewegungen zog sie im Wesentlichen folgende Schlussfolgerungen:
1) Rosa Luxemburg und nicht Lenin hat in der nationalen Frage Recht behalten
2) Die alten Kommunistischen Parteien sind keine zentristischen Formationen sondern bürgerliche Apparate.
3) Es gibt keine Perspektive die Gewerkschaften im proletarischen Sinne wieder zu erobern. Neue Strategien des Klassenkampfes sind notwenig, um die täglichen Kämpfe der Klasse mit dem umfassenderen Kampf für den Kommunismus zu verbinden.
4) Die UdSSR (und andere stalinistische Staaten) sind staatskapitalistische Länder.
5) Die Partei kann und darf die Aktion der Klasse nicht ersetzen, bzw. stellvertretend für sie handeln: “Die Kommunistische Partei kann nicht die Macht übernehmen und im Namen des Proletariats ausüben, weil das Proletariat seine historische Mission an keinen noch so mächtigen Bevollmächtigten delegieren kann, nicht einmal an seine politische Partei.“ (Thesen der Tendenz um Onorato Damen auf dem Kongress des PCInt 1952)
Bordiga, der sich während der Periode des Faschismus und des Krieges aus der politischen Aktivität zurückgezogen hatte, trat dem PCInt niemals offiziell bei. Allerdings verfasste er einige Beiträge für die Presse des PCInt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der PCInt in ganz Italien ca. 5000 Mitglieder sowie einige Unterstützer in Frankreich, Belgien und den USA. Nach dem Abflauen der Streikwelle und der Konsolidierung der bürgerlichen Republik traten 1948 die alten Differenzen der Fraktion wieder zutage. Bordiga, der wie schon erwähnt niemals Mitglied des PCInt war, trug erheblich dazu bei Konfusionen zu verstärken. Mit der Unterstützung von Vercesi, Maffi und anderen gelang es ihm drei Jahre später den PCInt zu spalten. 1952 rief er seine eigene Organisation ins Leben die Internationale – nicht Internationalistische – Kommunistische Partei um die Zeitschrift Programma Comunista. Die methodologischen und politischen Differenzen die dieser Spaltung zugrunde lagen waren folgende:
Die Charakterisierung des Imperialismus: Bordigas Gruppe bestand darauf, dass in einigen „rückschrittlichen“ Gebieten der Welt der nationale Kampf Teil der, wie Bordiga es nannte, antiimperialistischen Bewegung der „farbigen Völker“ sei.
Die Gewerkschaftsfrage: Bordiga bestand darauf, dass man nur durch Einfluss in den Gewerkschaften auch Einfluss auf die Arbeiterklasse haben könnte.
Das Verhältnis zwischen Partei und Klasse: Bordiga (der ein andere Bordiga als in den 20er Jahren war) vertrat die Position, dass man nicht von einer Klasse sprechen könne, wenn keine politische Partei existiere. Mit dem Argument dass die Partei die Klasse voraussetzt, wurde Marxens Unterscheidung zwischen „Klasse an sich“ und „Klasse für sich“ faktisch über den Haufen geworfen. Die logische Schlussfolgerung dieser Sichtweise ist, dass die Partei die Revolution alleine bzw. stellvertretend für die Klasse mache.
Die Einschätzung des Stalinismus: Bordiga weigerte sich die UdSSR als staatskapitalistisches Gebilde anzusehen. Gleichzeitig hatte er jedoch keine klare Position um was für eine Gesellschaftsform es sich sonst handeln soll. Faktisch entwickelte er im Laufe seines Lebens zu diesem Problem verschieden Positionen.
Die Frage der sog. „historischen Invarianz“: Die letzte Verzerrung des Marxismus stellte Bordigas Behauptung dar, dass das kommunistische Programm seit 1848 invariant, d.h. faktisch unveränderliche Gültigkeit habe. Eine Theorie die nahezu alle Erfahrungen die das Proletariat in seinem langen Emanzipationskampf gesammelt hat über den Haufen wirft und im starken Kontrast zur Methode von Marx und Engels steht, die ihre Vorhersagen und Positionen im Lichte der proletarischen Erfahrung stets weiterentwickelten und korrigierten.
Die von Bordigas Anhängern ins Leben gerufenen Gruppe Programma Comunista spaltete sich im weiteren Verlauf mehrere Male. Jede dieser aus den Spaltungen hervorgegangenen Gruppen nimmt für sich in Anspruch, die einzig wirkliche Klassenpartei zu sein, so dass es in Italien derzeit mehrere Internationale Kommunistische Parteien aber nur eine Internationalistische Kommunistische Partei (den PCInt mit der Zeitschrift Battaglia Comunista) gibt.
Wie andere Gruppen auch verlor der PCInt im Zuge des Nachkriegsbooms und der Stabilisierung des Kapitalismus einen Großteil seiner Mitglieder. Als dieser jedoch zu Ende ging, setzte sich im PCInt die Erkenntnis durch, dass eine neue Situation entstanden sei, und beschloss mit den weitweit durch die Jugendrevolte entstandenen neuen kommunistischen Gruppen in Tuchfühlung zu gegen. Dazu gehörte auch die Communist Workers Organisation die im September 1975 gegründet wurde und sich damals eher am Rätekommunismus orientierte. Battaglia Comunista veröffentlichte eine umfangreiche Kritik an der Plattform der CWO. Obwohl die CWO diese Kritik als sehr solidarisch und schlüssig empfand, war sie noch nicht bereit die Schlussfolgerungen dieser Kritik zu akzeptieren. Von der IKS hatte sie gehört, dass der PCInt eher „bordigistisch“ sei und war daher äußerst skeptisch und zurückhaltend. Als die PCInt 1977 die Internationale Konferenzen der Kommunistischen Linke initiierte, nahm die CWO die Einladung zur Teilnahme jedoch mit großem Interesse an.

Die internationalen Konferenzen der Kommunistischen Linken

Die CWO war unabhängig vom PCInt zu ähnlichen Positionen und Einschätzungen zum Verständnis der kapitalistischen Krise gelangt. Beide Organisationen vertraten die Einschätzung, dass der Akkumulationszyklus der Nachkriegszeit 1971 zu einem Ende gekommen war. Ebenso stimmten beide Organisationen in der Einschätzung der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Kommunismus überein. Ausgehend von der Kritik die der PCInt 1975 an der Plattform der CWO geübt hatte, kam es auch zu Übereinstimmungen in der Frage der Partei. In der nationalen Frage, der Einschätzung der Gewerkschaften, des Klassencharakters der UdSSR, der Sozialdemokratie etc. vertraten beide Organisationen mehr oder weniger ähnliche Positionen wie die IKS. Gleichwohl traten unterschiedliche Einschätzung der politischen Perspektiven sowie methodologische Differenzen auf. In Kombination mit der Kernfrage der Partei führte dies letztendlich zum Scheitern der dritten Konferenz 1980. Die ersten Beiden Konferenzen standen im Zeichen der politischen Konfrontation zwischen der IKS und dem PCInt. Obwohl sich auch andere Gruppen an der zweiten Konferenz beteiligten wurde auch hier die Diskussion von diesen beiden Protagonisten bestimmt. Erwartungsgemäß blieb die Debatte der dritten Konferenz steril. Der PCInt stand nun vor der Wahl in einer Art Endlosschleife mit der IKS über dieselben Differenzen zu diskutieren oder etwas aus den Konferenzen mitzunehmen. Folglich fokussierte der PCInt die Debatte auf das sog. „siebte Kriterium“ – die Frage der aktiven Rolle der Partei im revolutionären Prozess. Die IKS konnte dies zu diesem Zeitpunkt nicht akzeptieren, da ihre Konzeption der Partei faktisch die eines Vortänzers ist, der die Arbeiterklasse von außen ermutigt, während der PCInt darauf beharrt, dass die Partei Teil der Klasse sein muss, und als solcher nicht nur propagandistisch sondern auch praktisch und organisatorisch agieren muss. Mit Ausnahme von Battaglia Comunista, der CWO und der IKS verschwanden die meisten Gruppen die and den Konferenzen teilgenommen hatten mit der Zeit in der Versenkung. Aufgrund ihrer offenkundigen Konfusionen in der Organisationsfrage erlitt die IKS in den 80er Jahren eine Reihe von Spaltungen in deren Verlauf sich Gruppen mit einer eher rätekommunistischen und organisationsfeindlichen Orientierung von der IKS absetzten. Das IBRP unterhält mit diesen Ex-IKS-Gruppen keine engen Beziehungen, weil wir der Meinung sind, dass sie politisch wie auch organisatorisch einen Schritt zurück hinter die IKS darstellen. Gleichwohl hat die IKS trotz des Weggangs eher rätekommunistisch orientierter Elemente bis heute keine sichtbaren Anstalten gemacht, ihre Position bezüglich der Partei zu überdenken.

Die Gründung des Internationalen Büros

1982 organisierte der PCInt, die CWO und die iranische Gruppe SCUM (Supporters of the Unity of Communist Militants) eine weitere vierte Konferenz. Auch diese Konferenz erwies sich als Misserfolg. Die SCUM hatte noch nicht mit ihren linksbürgerlichen Wurzeln gebrochen und sollte später die Kommunistische Partei des Irans auf der Grundlage eines bizarren „humanisierten“ Stalinismus ins Leben rufen. In dem Versuch die politischen Widersprüche der SCUM zu überwinden konsolidierten sich jedoch die methodologischen Gemeinsamkeiten zwischen PCInt und CWO. Aufgrund der Erfahrungen der Konferenzen kamen CWO und PCInt überein, dass es an der Zeit war einen qualitativen Schritt vorwärts in der Diskussion zwischen Revolutionären zu machen. Aus diesem Schritt ging 1983 das Internationale Büro für die revolutionäre Partei (IBRP) hervor. Seitdem ist das Büro im äußerst bescheidenen Maße gewachsen und verfügt heute neben CWO und PCInt über Organisationskerne in Kanada, den USA, Deutschland und Frankreich sowie einige assoziierte Genossen in Lateinamerika. Wie wir immer wieder hervorheben behaupten wie nicht die Partei zu sein, noch geben wir vor selbst der Kern dieser zukünftigen Partei zu sein. Wir betonen jedoch die Notwendigkeit des Aufbaus einer neuen internationalistischen und internationalen revolutionären Weltpartei. Da diese nicht vom Himmel fallen wird, erfordert dies eine praktische Vorarbeit: die internationale Diskussion, Intervention und Organisierung der Revolutionäre. Wir gehen davon aus, dass in den zukünftigen Kämpfen der Klasse neue Elemente hervorbringen werden, die bestimmte Fragen und Themen in neuer Art und Weise angehen. Wir hoffen die richtigen Mittel und Wege zu finden, um mit diesen Elementen in Diskussion und Tuchfühlung zu gehen, um so substantielle Schritte nach vorn zu machen.

(1) Sie waren der Meinung, dass die Zeit für eine neue Partei noch nicht reif wäre, weil die politische Periode immer noch konterevolutionär sei. Vielmehr war die GCF um Marc Chirik der Auffassung, dass ein weiterer noch zerstörerischer Krieg auf der Tagesordnung stünde. 1952 löste sie sich auf und Marc Chrik wanderte nach Venezulea aus, um dort „die Ideen zu retten“. Erst 1967 kehrte er nach Frankreich zurück um sich an der Gründung der Gruppe Revolution Internationale und 1975 der Internationalen Kommunistischen Strömung (IKS) zu beteiligen.