Wilder Streik von ArbeitsmigrantInnen in Nardó (Apulien)

In der italienischen Provinz Apulien hat sich ein erster spontaner Streik von immigrierten LandarbeiterInnen entzündet. Er spielt sich in der Nähe des Touristenortes Nardó ab, wo jedes Jahr tausende Flüchtlinge aus Afrika und dem Maghreb zu Hungerlöhnen Wassermelonen und Tomaten ernten müssen. Nun haben sie aus Protest gegen die niedrigen Löhne die Arbeit niedergelegt.
Bis vor einem Jahre mussten sie unter Olivenbäumen oder in notdürftigen Unterkünften schlafen. Im letzten Sommer wurden sie dann von einer Hilfsorganisation in einem alten Bauernhof untergebracht. Am 30. Juli verließen sie im Morgengrauen ihre Unterkunft, um die Arbeit auf den Feldern aufzunehmen. Allerdings kehrten sie schon gegen 6 Uhr früh wieder zurück. Man hatte von ihnen gefordert für einen Lohn von 4 Euro pro Kiste Tomaten zu ernten (Das Auffüllen einer Kiste dauert im Schnitt eine Stunde). Alle 40 ArbeiterInnen führten daraufhin eine Straßenblockade durch. Für den Abend riefen sie eine Massenversammlung aller ArbeitsimmigrantInnen ein, um ihre Forderungen schriftlich zu fixieren. Mit der Verschärfung der Krise hat sich auch die Situation der LandarbeiterInnen in Nardó enorm verschlechtert. Es wird immer schwerer Wassermelonen auf den Märkten erfolgreich abzusetzen. Deshalb haben die Hersteller die Preise gesenkt, die Löhne nach unten gedrückt oder die Ernte einfach auf den Feldern verrotten lassen. Doch angesichts der Situation auf dem Arbeitsmarkt haben viele ImmigrantInnen keine andere Wahl als auf den Feldern für Hungerlöhne zu schuften. Über Mobiltelephone und persönliche Kontakte ist es den streikenden ArbeiterInnen (die meisten kommen aus Tunesien, Marokko oder dem Sudan) gelungen ihr Anliegen anderen ArbeiterInnen mitzuteilen. So konnte bis jetzt verhindert werden, dass die Bosse die ArbeiterInnen gegeneinander ausspielen. “Unbekannte Personen” haben mittlerweile auch Todesdrohungen gegen die streikenden ArbeiterInnen in Umlauf gesetzt. Der Streik geht aber trotzdem weiter und es sieht danach aus, dass er sich ausweitet, da sich nun auch andere ArbeiterInnen ermutigt fühlen, sich gegen die elenden Bedingungen auf den Feldern zu wehren. “Alles Schöne auf dieser Welt muss im Kampf gewonnen werden”, lautet eine Parole der Streikenden. Wie die WanderarbeiterInnen in Rosarno letztes Jahr brauchen die Streikenden unsere tiefste Solidarität. (Luigi)
Weitere Infos gibt es bei unseren GenossInnen von Battaglia Comunista