Archiv für Dezember 2011

Die Entwicklung proletarischen Klassenbewusstseins

Am Ende des ersten Textes unserer Artikelreihe haben wir den/die LeserIn mit einem scheinbaren Widerspruch zurückgelassen. Während Marx bspw. in den provisorischen Statuten der Ersten Internationale erklärte, dass „die Emanzipation der Arbeiterklasse durch die Arbeiterklasse selbst erobert werden muss“, schien er in früheren Schriften wie der „Deutschen Ideologie“ jede Hoffnung auf eine proletarische Emanzipation aufgegeben zu haben, wenn er schrieb: „Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, so dass ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind.“

Onorato Damen – Lebensweg eines Internationalisten

Leben und Wirken Onorato Damens sind hierzulande weitgehend unbekannt. Gleichwohl war er einer der agilsten und innovativsten Figuren in der Geschichte der Kommunistischen Linken. Am 4.Dezember 1893 in Monte San Pietroangeli (Ascoli Piceno) geboren, tritt Onorato Damen schon als Jugendlicher der Sozialistischen Partei (PSI) bei und beteiligt sich am Kampf des linken Flügels gegen die Politik Turatis. Gerade einmal 20 Jahre alt wird er nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Unteroffizier zur Armee eingezogen. Onorato Damen setzt seine antimilitaristischen Aktivitäten in der Armee fort, wird deswegen degradiert und schließlich von einem Militärgericht wegen „Aufruf zur Desertion” und der „Bedrohung der öffentlichen Ordnung“ zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Idealismus und bürgerlicher Materialismus

Ideen kommen nicht aus dem Nichts. Die Quelle der Ideen oder das Bewusstsein hat die Ideologen der Klassengesellschaft seit tausenden von Jahren beschäftigt. Für sie bestand das große Problem zwischen Geist und Materie, zwischen dem menschlichen Körper und seiner Fähigkeit zum abstrakten Denken. In den Gesellschaften der Antike, besonders im antiken Athen sahen Philosophen wie Plato1 oder Aristoteles2 Ideen als etwas Angeborenes an, welches nur durch Denken ans Tageslicht gebracht werden könnte. Für sie war die wirkliche Welt die Welt der Ideen, während die materielle Welt lediglich Schatten oder partielle Reflexionen dieser Ideen seien. Die materielle Welt sei daher sekundär und von der Ideenwelt abhängig. Ohne die Ideenwelt könnte die materielle Welt nicht existieren. Durch die Untersuchungen und Reflexionen der materiellen Welt könnte der weise Mensch in das Reich der Ideenwelt und damit in die wirkliche Welt vorstoßen