Erklärung der IKT zur Auflösung der GIO (Kanada)

Im Januar diesen Jahres erhielt die IKT von den kanadischen GenossInnen der GIO die folgende Mitteilung:
„Als Ergebnis der Probleme, die die GIO innerhalb der IKT verursacht hat, haben die Mitglieder der GIO beschlossen ihre Aktivitäten als Gruppe im Interesse der IKT zu beenden. Ein Bericht wird Euch in den nächsten Monaten zugehen. Wir erwägen die Gründung eines neuen Zirkels, um die internationalistischen Kräfte in Kanada zu reorganisieren.“
Wir nahmen dies mit gemischten Gefühlen auf. Wir hätten es vorgezogen, dass die GIO niemals den Fehler gemacht hätte, einen Genossen der in der Vergangenheit Gewalt gegenüber Frauen ausübte, aufzunehmen. Genauso bedauern wir die diversen Bemühungen diese Entscheidung vor der ganzen IKT zu verschleiern. Dennoch sind wir dankbar, dass unsere monatelangen Bemühungen Früchte tragen, die GIO von der Tragweite ihres Fehlers zu überzeugen und gleichzeitig klar zu machen, dass sie so weder als Sektion der IKT noch als glaubwürdige Vertreterin der Kommunistischen Linken in Kanada weitermachen kann. Dies wurde nicht nur von früheren GenossInnen der GIO (die an der besagten Fehlentscheidung nicht beteiligt waren), sondern auch von neuen Kontakten und SympathisantInnen der IKT verstanden. Die Auflösung der GIO eröffnet allen linkskommunistischen GenossInnen in Kanada die mit der IKT in Kontakt standen bzw. stehen, die Chance einen Neuanfang zu machen.
Wir warten nun auf das versprochene ausführlichere Statement der Ex-GIO und der neuen GenossInnen über ihre nächsten Schritte. Sie haben schon damit begonnen (wie in der besagten Mitteilung ausgeführt) ein Arbeitsprogramm zu entwickeln, um nicht nur den besagten Fehler in der Vergangenheit, sondern alle Probleme der GIO in der Vergangenheit aufzuarbeiten.
Nach der Ankündigung der GIO sehen wir uns nun in der Lage die Entwicklungsstufen unserer Diskussion zu veröffentlichen. Den Anfang machte ein Offener Brief der CWO der innerhalb der IKT und unter SympathisantInnen zirkulierte und schließlich zum Austritt des besagten Genossen A. führte. Dennoch ging es zu diesem Zeitpunkt um weit mehr als nur um diesen Genossen. Die ganze Affäre und die Diskussion mit verschiedenen GenossInnen in Kanada offenbarte, dass die GIO lange Zeit (sie ist seit 2001 Teil unserer Tendenz) nicht als koordinierte Organisation, sondern als Gruppe von Individuen agierte, die allesamt ihre eigene Interpretation unserer Plattform hatten. Auch wenn sie einige gute Dokumente auf der Basis unserer Plattform veröffentlichten, intervenierten sie in den Klassenkämpfen maßgeblich als einzelne AktivistInnen und nicht als Gruppe. Unsere Besorgnis über ihren Aktivismus (besonders im Jahr 2012) als es den Anschein hatte, dass sie sich an der Studierendenbewegung in Quebec beteiligte, ohne eine eigenständige revolutionäre Position einzunehmen und zu propagieren, führte schließlich 2014 zur Entsendung eines Delegierten, der sich die Dinge vor Ort genauer anschauen sollte. Dieser Delegierte traf auf neue Mitglieder, die in aller Klarheit IKT-Positionen vertraten, was Anlass zur Hoffnung gab, dass die GIO sich auf einer kohärenten theoretischen Grundlage weiterentwickeln könnte. Dies stellte sich schnell als Trugschluss heraus: Ein Genosse trat aus Unzufriedenheit über die Inkohärenz der Organisation aus, ein weiterer musste wegen gewalttätiger Übergriffe gegenüber seiner Partnerin ausgeschlossen werden und ein weiterer war der besagte Genosse A. Nichts von dem wurde der IKT mitgeteilt. Vielmehr wurde das Problem der politischen Inkohärenz immer gravierender. Es stellte sich mehr und mehr heraus, das andere GenossInnen die in Übereinstimmung mit der IKT standen, aufgrund des aktivistischen und „bewegungslinken“ Verhalten eines tonangebenden Mitglieds die GIO verlassen hatten. Die letzte Bestätigung für die Unverantwortlichkeit dieses Genossen und nicht zuletzt seines totalen Unverständnisses von Organisation, war die Aufgabe jedes Versuchs mit dem Problem von A. umzugehen (und die IKT abermals nicht zu informieren) und schließlich auf egomanischer Art und Weise seinen Austritt auf Facebook zu erklären, ohne jede Diskussion mit seinen GenossInnen und dem Rest der IKT.
Als Tendenz müssen wir unsere Lehren aus dieser Erfahrung ziehen. Die IKT hatte niemals die Absicht Klone zu schaffen. Die IKT ist eine Koordination von Gruppen die politisch auf der Basis einer gemeinsamen Plattform zentralisiert sind, aber einen erheblichen Freiraum haben, in ihren Ländern die Arbeitsmethoden -und Arbeitsweisen zu entwickeln, die ihrer Meinung nach am besten geeignet sind, zum Aufbau einer revolutionären proletarischen Organisation beizzutragen. Damit meinen wir eine Organisation die autonom von sozialdemokratischen, staatskapitalistischen und gewerkschaftlichen Elementen agiert, die allesamt auf die Integration der ArbeiterInnenklasse in die kapitalistische Gesellschaft abzielen, indem sie sich als „sozialistisch“ ausgeben und ein System reformieren wollen, welches seinen Nutzen für die Menschheit schon lange eingebüßt hat. Unser Ziel besteht darin Gruppen zu entwickeln, die einen Beitrag zur Entwicklung revolutionärer Theorie und Praxis leisten, indem sie dort wo sie leben an den Klassenkämpfen teilnehmen und klar und deutlich von den Perspektiven der Kommunistischen Linken ausgehen. Dies hat die GIO sporadisch getan, doch wie unsere Diskussionen zeigten, tendierte sie dahin in den Bewegungen in linkspopulistischer Manier zu agieren, ohne einen eigenen unmissverständlichen revolutionären Beitrag zu leisten. Die ist eine potentielle Gefahr für jeden neuen politischen Kern. Sie kann nur durch ernsthafte Anstrengungen überwunden werden, in kollektiven Klärungsprozessen die Grundlagen linkskommunistischer Politik herauszuarbeiten.
In diesem Sinne wünschen wir den GenossInnen viel Erfolg und warten auf ein ausführlicheres Dokument welches ihre Erfahrungen auswertet. Wir werden sie natürlich in diesen schwierigen und reaktionären Zeiten nach Kräften dabei unterstützen, einen starken politischen Kern im Kampf gegen den Kapitalismus auf dem nordamerikanischen Kontinent zu entwickeln.

Internationales Büro der Internationalistischen Kommunistischen Tendez

Anhang: Dokumentation der Debatte in Englischer Sprache