Archiv der Kategorie 'Anarchismus'

Shades of Grey: Rojava, der „Spirit of 36“ und das Wolkenkuckucksheim der „Linken“

„Hegel bemerkte irgendwo, dass alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. (…) Die Tradition der toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf den Gehirnen der Lebenden. Die soziale Revolution (…) kann ihre Poesie nicht aus der Vergangenheit schöpfen, sondern nur aus der Zukunft. Sie kann nicht mit sich selbst beginnen, bevor sie allen Aberglauben an die Vergangenheit abgestreift hat. Die früheren Revolutionen bedurften der weltgeschichtlichen Rückerinnerung um sich über ihren eigenen Inhalt zu betäuben. Die Revolution (…) muss die Toten begraben lassen, um bei ihrem eigenen Inhalt anzukommen.“ (Karl Marx)

Das Auftauchen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) leitete eine neue Runde blutiger Verteilungskämpfe in der ohnehin schon krisengeschüttelten des Mittleren Ostens ein. Erwartungsgemäß führte diese Entwicklung auch im buntscheckigen Spektrum der Restlinken zu Verunsicherungen, weiteren Verwirrungen und allerlei politischen Bocksprüngen.

Anarchismus im Rückblick: Unsere Suche nach einer revolutionären Praxis

Wir wollen diesen Text mit einer Vorbemerkung beginnen: Dies ist kein Angriff auf die Militanz unserer libertären GenossInnen. Sie legen ein äußerst ernsthaftes revolutionäres Engagement an den Tag und wir haben großen Respekt vor dem Mut, den sie in unseren gemeinsamen Kämpfen gegen die Angriffe der Bourgeoisie unter Beweis gestellt haben. Dieser Text ist der Versuch unsere Praxis zu klären, ohne die historischen Fehler der ArbeiterInnenbewegung zu wiederholen. Auch wenn wir unsere Kritik hart und prägnant formulieren, wollen wir versuchen dabei so konstruktiv wie möglich zu bleiben. Die AutorInnen dieses Textes sind beide ehemalige AnarchistInnen, bzw. um genauer zu sein libertäre KommunistInnen in der Tradition des Plattformismus 1. Wir haben uns also an einer Strömung beteiligt, die versucht den Anarchismus zu einer revolutionären Bewegung mit dem Ziel der Überwindung des Kapitalismus zu „verändern“.

Marxismus und Anarchismus

Als wir eine Veranstaltung zum Thema “Marxismus und Anarchismus” vorschlugen und ankündigten, änderte jemand auf Facebook das Veranstaltungsthema in „Marxismus versus Anarchismus” um. Deshalb wollen wir vorweg klarstellen, dass es uns hier nicht um den wortgewaltigen Schlagabtausch der Vergangenheit geht, bei der eine Seite „Kronstadt“ mit „Barcelona“ kontert und umgekehrt. Wir wollen auch nicht auf die Hintergründe für die Spaltung in Marxismus und Anarchismus zur Zeit der Ersten Internationale eingehen (auch wenn das zuweilen wichtig und interessant sein mag).

„Uníos Hermanos Proletarios“ – Der ArbeiterInnenaufstand in Asturien 1934

Als die „sozialistischen“ Parteien der Zweiten Internationale beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 die ArbeiterInnen dazu aufriefen, sich für das „Vaterland“, d.h. die imperialistischen Interessen ihrer Ausbeuter abzuschlachten, trat ihr reaktionärer Charakter offen zutage. Im spanischen Staat verhielt es sich jedoch anders. Hier gelang es der Bourgeoisie sich aus dem Konflikt heraus – und „neutral“ zu verhalten. Das erlaubte auch der „Sozialistischen“ Partei (PSOE) und der anarchosyndikalistischen CNT sich weiterhin das Image proletarischer Organisationen zu geben. Was die PSOE anbelangt, so hatte sie ihren Opportunismus jedoch schon zur Genüge unter Beweis gestellt als sie sich mit der Militärdiktatur von Miguel Primo de Rivera arrangierte und mit ihr zusammenarbeitete.