Archiv der Kategorie 'Kritik des Nationalismus'

Wahlspektakel 2017: Nationalismus und falsche Alternativen

Oberflächliche politische Beobachter bezeichnen den Wahlkampf allgemeinhin als langweilig. Das Rennen sei längst gelaufen, offen sei lediglich der Kampf um Platz 3, so eine gängige Meinung. Ob dies so ist, bleibt abzuwarten. Der Unterhaltungswert des diesjährigen Wahlspektakels mag sich in Grenzen halten, auffällig ist jedoch eins: Die rasante Rechtsverschiebung der politischen Diskurse.

Arthur Goldstein (KAPD): Gegen den Nationalkommunismus!

„Macht die Sache des Volkes zur Sache der Nation, dann wird die Sache der Nation die Sache des Volkes sein!“ fasste der nationalistische Propagandist Karl Otto Paetel1 die Quintessenz der Ideologie des Nationalbolschewismus zusammen, die heutzutage von der extremen Rechten wieder intensiv rezipiert wird. Die Grundzüge dieser reaktionären Konzeption gehen auf die Umtriebe der beiden sog. „Hamburger Nationalkommunisten“ Fritz Wolffheim und Heinrich Laufenberg zurück, die Anfang der 20er Jahre argumentierten, dass das sog „Versailler Diktat“ zu einer „Verstümmelung des deutschen Reichkörpers“ und zu einer „Proletarisierung des gesamten deutschen Volkes geführt“ habe. Daraus leiteten sie die Notwendigkeit eines „Burgfriedens zwischen Kapital und Proletariat ab, und traten für einen „revolutionären Volkskrieg“ im Bündnis mit der Sowjetunion gegen die westlichen Ententemächte ein. Dieses nationalistische Konglomerat mündete schließlich in antisemitischen Hetztriaden, die sich maßgeblich (aber nicht nur) gegen den damaligen KPD-Vorsitzenden Paul Levi richteten. Derart reaktionäre Töne sorgten in der kommunistischen Bewegung für Verwunderungen und allerlei Konfusionen.

Unter falscher Flagge: Die Liaison der sog. „Internationalistischen Genossen“ (Griechenland) mit antisemitischen Verschwörungsfreaks und ihre nationalistische Metamorphose

Prolog: Krise und Verschwörung
Zeiten der Krise und des Umbruchs boten schon immer einen fruchtbaren Boden für Verschwörungstheorien und Wahnvorstellungen. Im Mittelalter glaubte man an die gottgegebene Ordnung, aber auch an den Teufel und Hexerei. Den Juden wurde angelastet die Brunnen vergiftet, Ernten verzaubert oder die Pest gebracht zu haben. Sie standen im Verdacht schwarze Magie […]

Das Brexit-Referendum: Ein weiteres Anzeichen für die Verschärfung der kapitalistischen Krise

Das britische EU-Referendum mag vorbei sein, doch die Debatte geht weiter. Lasst uns zuerst eines klarstellen. Nirgendwo im Vereinigten Königreich hatte die ArbeiterInnenklasse irgendetwas von einem „Brexit“ oder einem „Remain“ zu gewinnen. Das Abstimmen für eine der beiden Scheinalternativen gab dem nationalen Kapital lediglich einen Blankoscheck für mehr Austerität. Großbritannien ist gespalten. Das stimmt. Doch die Trennungslinie verläuft nicht zwischen London und den Provinzen, zwischen England und Schottland oder zwischen Jung und Alt. Die wirkliche Trennungslinie verläuft zwischen jenen, die ihre Profite vermehren wollen, und jenen, die dafür mit niedrigen Löhnen, prekären Arbeitsbedingungen und einem sinkenden Lebensstandard bezahlen sollen

Irland: 100 Jahre nach dem Easter Rising (1916)

Die heutige Irische Republik wurde formell am Ostermontag 1949 ins Leben gerufen. Die Wahl des Tages war kein Zufall, sondern eine bewusste symbolische Identifikation mit dem Osteraufstand, der genau 33 Jahre vorher stattgefunden hatte. Um die Ereignisse des Osteraufstandes von 1916 ranken sich allerlei Mythen und Legenden. So wird oft behauptet, dass der Osteraufstand der Funken war, an der sich die republikanische Bewegung entzündete, was schließlich in der irischen Unabhängigkeit mündete. Der folgende Text unserer britischen Schwesterorganisation CWO legt einen anderen Schwerpunkt: Das Verhältnis von Nationalismus und dem Kampf der Arbeiterklasse für den Sozialismus. Er zeigt die verhängnisvollen Folgen einer Beteiligung der Arbeiterklasse an nationalistischen Bewegungen im Zeitalter des Imperialismus auf.